Abwehr und Verzögerung statt Wettbewerb

So wie es aussieht, wird man die Grünen in der Jamaika-Koalition zwingen, jede heilsame Radikalität in Sachen Klimaschutz aufzugeben. Es wäre mir zu billig, dafür die Grünen zu schelten. Falls es so kommt, sollte das gerechterweise als Schande der angeblich konservativ, der angeblich christsozial und der angeblich liberal eingestellten Parteien in die Geschichte eingehen. Ist es konservativ, bekannte Gefahren zu ignorieren und die dramatischen Warnungen von Naturwissenschaften und Kirchen in den Wind zu schlagen? Ist es christlich-sozial die Ärmsten der Erde mit dem Verlust ihrer Heimat bezahlen zu lassen, nur um die Konsumparty in den Industrieländern fortsetzen zu können? Ist es liberal, die Zwänge zu verschärfen, der sich künftige Generationen auf einer hoffnungslos überhitzen Erde gegenübersehen werden?

Dass es bei Koalitionssondierungen im Jahr 2017 keinen Wettbewerb um die besten und schärfsten Konzepte für die Rettung des Planeten gibt, sondern unter Führung der Kanzlerin ein erschreckendes Gezerre um die Abwehr und Verzögerung der eher schwächlichen grünen Vorschläge zu Kohleausstieg, Verkehrswende und Landwirtschaftsreform, regt wahlweise zu Wut oder Verzweiflung an.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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