Reformation und Konservation

Der 31. Oktober wurde heuer zum gesetzlichen Feiertag für ganz Deutschland erklärt: Reformationstag. Was vor 500 Jahren begann und sich vielfältig auswirkte (bei weitem nicht nur auf das Christentum und seine Interpretationen!) rechtfertigt einen ganzen Tag des Nachdenkens: Reformation ist für mich zuallererst die Absage an Gleichgültigkeit und Fatalismus: „Es kommt wie es kommt und machen kann man ohnehin nichts…“ – diese gefährliche Haltung war wohl allen Reformatoren und Reformern der Geschichte fremd. Zum zweiten glaube ich, dass Reformation im Gegensatz zur Revolution immer auch konservative Motive hat: Es soll ja etwas Wertvolles von Fehlentwicklungen befreit werden, damit es sich wieder stärken kann und seinen ursprünglichen Sinn deutlicher zeigen kann. Am Feiertag der Reformation könnte man sich Zeit nehmen, über seine eigenen Kernüberzeugungen nachzudenken, Fehlentwicklungen zu identifizieren und den Widerstand gegen die gefährliche Gleichgültigkeit aufzunehmen.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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