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Ein persönlicher Erfahrungsbericht mit einem Elektro-Auto

Foto: ÖDP Bundespressestelle.

Vor einem Jahr ging ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: ein Elektroauto zu fahren. Seit 13 Monaten fahre ich dank der Unterstützung der Bundesregierung, die den Kauf eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs mit 4.000 Euro bezuschusst, einen neuen Renault ZOE 240R, gekauft beim Autohändler in Lindau. Er schien mir nach den Kosten-Leistungs-Aspekten derzeitig das beste Angebot auf dem Markt zu sein. Da ich selbst durch Beteiligungen an Windkraftanlagen sauberen Strom erzeuge, wollte ich auf diese Weise dem CO2-Ausstoß etwas entgegenwirken.

An das leise, geschmeidige Fahren mit einem Automatikgetriebe gewöhnte ich mich schnell, das Fahren macht großen Spaß. Schnell wurde mir bewusst, dass ich besonders vorsichtig fahren muss, da andere Verkehrsteilnehmer, vor allem Fahrradfahrer und Fußgänger, mein weißes Auto zwar sehen, aber so gut wie nicht hören. Auch aus energiewirtschaftlichen Gründen habe ich mir generell eine äußerst defensive Fahrweise angewöhnt. Pressieren sollte es deswegen nie! Als Rentner habe ich damit selten ein Problem.

Spontan loszufahren, einfach so, geht nur, wenn die Batterie gut gefüllt ist und die Fahrt nicht weiter als 150 km gehen soll (im Winter ca. 30 % geringer). Eine hohe Alltagstauglichkeit ist auf jeden Fall im Umkreis von 50 km gegeben. Geht es auf eine längere Reise, muss sorgfältig vorausgeplant werden. Auf einer Internetseite (www.lemnet.org) kann ich gut herausfinden, wo auf der gewünschten Route Ladestationen unter welchen Bedingungen zur Verfügung stehen. Was man noch benötigt, ist eine Zugangskarte (z. B. RFID von newmotion), damit kommt man hier im Süden, auch in Vorarlberg, bestens durch. Bei lemnet.org erhalte ich außerdem die Informationen, wo genau die öffentlichen Stationen sind (Adresse und Foto), wie schnell sie laden (z. B. Type 2, 22 kW, 32 A) und was das Zapfen des Stroms kostet. Beim Fahren wird die Reichweite des Autos stets angegeben; es ist zu empfehlen, sie nie ganz auszureizen, sondern immer eine gewisse Reserve einzukalkulieren. Auch das Streckenprofil ist wichtig: Bergauffahren braucht mehr Strom, durch Bergabfahren wird Energie zurückgewonnen (Rekuperation).

Da ich über keinen Stromanschluss zu Hause verfüge, bin ich immer auf öffentliche Ladestationen angewiesen, trotzdem hatte ich noch nie Probleme. Im Landkreis Lindau und in Vorarlberg bin ich sogar in der glücklichen Lage, 100 % Ökostrom (VKW) laden zu können. Die Betriebskosten sind sehr gering, da viele Ladestationen als Förderung der Elektromobilität kostenfreien Strom liefern. So kommt es, dass ich dank guten Planens für die bisher 9.000 gefahrenen Kilometer insgesamt gerade mal 21,36 Euro bezahlt habe. Hinzuzurechnen ist auch die Steuerbefreiung auf zehn Jahre.

Alles in allem: Alle Bedenkenträger kann ich nur zum Elektroauto ermuntern. Dann wird die Luft besser und es ist die richtige Antwort auf alle Abgasmanipulationen. Leider verführt das gute Gewissen dazu, öfters ins Auto zu steigen als sonst.

Peter Borel

76 Jahre, war von Beruf Gymnasiallehrer, lebt in Lindau, seit 1990 Mitglied der ÖDP, von 1996 - 2016 aktiv in der Kommunalpolitik (Stadtrat, Kreisrat); Schwerpunkt sind Energie- und Mobilitätsfragen, die ihn bis heute stets in Bewegung halten.

 

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Email: peter.borel@freenet.de