Vision Ökologisches Deutschland – ein Fazit nach einem Jahr Schwarz-Rot
9. Juni 2026
Die Tagung der Stiftung für Ökologie und Demokratie in der Franken-Akademie auf Schloss Schney blickte 2026 auf ein Jahr Schwarz-Rot in Deutschland zurück. Unter dem Titel „Vision: Ökologisches Deutschland“ führte das Programm durch die Kernpunkte ökologischer Politik.
Hans-Joachim Ritter, Präsident der Stiftung, hob die Bedeutung des Begriffs „Ökologie“ für das politische Handeln hervor. Die Ökologie stelle die umfassende Lehre vom menschlichen Leben dar und umfasse alle Lebensbereiche. Er kritisierte die Wachstumsorientierung der Politik: „Von Menschen gemachte Ökonomie, die auf Wachstum setzt, sprengt die Grenzen der natürlichen Ökologie“, so Ritter.
„Ist das Klima noch zu retten?“, dieser Frage ging Dr. Maximilian Franks vom „Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)“ nach. Er zeigte Wege zu einer gerechten Klimapolitik auf. Die sozialen Kosten der Klimapolitik pro Tonne CO2 beliefen sich derzeit auf ca. 220 € und stiegen bis 2080 auf 410 €. Als wirksames Mittel nannte er eine weltweite CO2-Bepreisung, um die Emissionen zu senken. Insgesamt zeige sich ein Mix aus Maßnahmen wie ordnungspolitischen Instrumenten, Bepreisung, technologischen Standards sowie Subventionen als Erfolg versprechender Weg der Klimapolitik.
Dr. Durmuş Ünlü, Geschäftsführer der „Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW)“, brachte den Teilnehmern der Tagung das Thema „Wasser“ nahe. Unter dem Titel „Öffentliche Wasserwirtschaft im (Klima-)Wandel“ stellte er fest: „Wasser ist Lebensgrundlage und von der UN anerkanntes Menschenrecht.“ Wasser sei auch ein zentraler Baustein für gleichwertige Lebensverhältnisse. Es sei die Rolle der öffentlichen, gemeinwohlorientierten Wasserversorgung, diese zu garantieren.
Die Enkeltauglichkeit in der Politik war Thema von Thomas Zschornak von der „Stiftung Enkeltauglichkeit“. Der Bürgermeister der Gemeinde Nebelschütz stellte anhand der dortigen lokalen Aktivitäten die kommunale Vision einer enkeltauglichen Gemeinde und deren Umsetzung vor. Für alle seine Entscheidungen sei folgende Frage wichtig: „Was werden, wenn wir das tun, in zwei Generationen unsere Enkel dazu sagen?“ Er bot Nebelschütz als Lernort für enkeltaugliche Politik an.
Politik auf dem Irrweg
Das wichtige Thema „Menschenwürde in der Wirtschaft innerhalb sozialer und planetarer Grenzen“ behandelte Thomas Schiffelmann von „Handicap International“. „Wir brauchen eine Transformation in der Wirtschaft“, führte Schiffelmann aus. Er ging auf die „Donut-Ökonomie“ für eine Wirtschaft innerhalb der sozialen und planetaren Grenzen ein. Er betonte den Punkt 8 der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, der die Förderung menschenwürdiger Arbeit für alle anstrebt.

Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des „Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LVB)“ resümierte über den Zustand und Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland: „2/3 der Arten und 3/4 der Lebensräume sind in einem schlechten Zustand.“ Von 1980 bis 2025 ging der Vogelbestand insgesamt um 19 % zurück. Während bei den Waldvögeln der Rückgang bei 8 % liegt, ist bei den Feldvögeln ein dramatischer Rückgang der Population um 61 % festzuhalten. „Der Zusammenbruch der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft ist belegt“, so der Referent. Der Schutz der biologischen Vielfalt entscheide darüber, ob wir auf diesem Planeten überleben, der Klimaschutz darüber, wie dieses Überleben aussieht. Biologische Vielfalt sei mehr als Artenvielfalt. Hierzu zählten auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und – ganz wichtig – die Vielfalt der Lebensräume. Er hob hierbei die Wichtigkeit des Inhalts des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ hervor.
Den Themenkomplex „Gesundheit“ brachte Nora Laubstein vom Deutschen Naturheilbund den Teilnehmern nahe. Sie forderte, Gesundheitspolitik neu zu denken. Wichtig sei hier die Hilfe zur Selbsthilfe. Sie kritisierte die Umbenennung des Gesundheitssystems in Deutschland im Jahr 2005 in „Gesundheitswirtschaft“. Sie hob hervor: „Die Naturheilkunde ist an der Gesundheit orientiert, nicht an der Krankheit.“
Der Bundesvorsitzende der ÖDP, Günther Brendle-Behnisch, fasste als Resümee der Tagung zusammen: „Wir müssen hier als ÖDP massiv gegen Klima- und Naturzerstörung eintreten. Es hat sich hier ganz deutlich gezeigt, dass die große Politik sich in dieser Überlebensfrage auf einem bedauerlichen Irrweg befindet.“
Prof. Dr. Herbert Einsiedler
Mitglied des Bundesvorstands der ÖDP









