Wer weiter auf Bleischrot setzt, hat den Schuss nicht gehört
8. Oktober 2026
Jedes Jahr könnten nach Schätzungen allein in der EU rund 44.000 Tonnen Blei aus Jagd, Sportschießen und Fischerei in die Umwelt gelangen. Das ist für Tiere, Pflanzen & Co ein Problem, aber auch für den Menschen, der bekanntlich am Ende der Nahrungskette steht. Doch in den nächsten Jahren wird dieses Gesundheitsrisiko deutlich kleiner werden und die Jagd mit bleihaltiger Schrotmunition europaweit der Vergangenheit angehören.
Das Europaparlament in Straßburg unterstützte am 08.10.2026 entsprechende Pläne der EU-Kommission. Mit deutlicher Mehrheit lehnten die Abgeordneten Anträge von rechtsgerichteten Parlamentariern ab, die das Verbot in letzter Minute stoppen wollten.
Das Bleiverbot kann damit nach einer siebenjährigen Übergangsfrist europaweit in Kraft treten. „Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das sich in der Umwelt anreichert und dort über lange Zeit bleibt“, erläutert die Abgeordnete Manuela Ripa (ÖDP), in ihrer Fraktion EVP zuständig für das Dossier. „135 Millionen Vögel laufen jedes Jahr Gefahr, sich mit herumliegendem Bleischrot zu vergiften, wie die Europäische Chemikalienagentur ECHA berichtet.“
Wie Ripa erklärt, verwechseln Vögel verschossene Schrotkörner oft mit Nahrung oder auch mit kleinen Steinchen, die sie zur Verdauungsförderung schlucken. Besonders betroffen sind Wasservögel, die die Körner beim Gründeln oder bei der Nahrungssuche verschlucken. Nach ECHA-Angaben reicht ein einziges Bleischrotkorn aus, um einen kleinen Wasservogel zu töten. Beute- und aasfressende Tiere, etwa Greifvögel, können sich zudem indirekt vergiften.
Auch für Menschen kann Blei aus Schrot sehr gefährlich sein, etwa, wenn sie Wildfleisch von mit Bleimunition erlegten Tieren verzehren. Beim Erlegen des Tiers können sich kleinste Fragmente der Munition im Gewebe verteilen. Die Teile sind mit bloßem Auge kaum erkenn- und daher auch nicht einfach entfernbar. „Wer weiter auf Bleischrot setzt, hat den Schuss nicht gehört“, so Ripa.
Sie verweist darauf, dass längst Alternativen zu Bleischrot existieren, etwa Schrot aus Stahl. Gleichzeitig seien Militär, Sicherheit und Verteidigung von den neuen Regeln nicht berührt, so Ripa mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage. Auch das Sportschießen könne weiter stattfinden, wenn es geeignete Maßnahmen zum Einsammeln des Bleis gebe.
Nach Angaben der ECHA gelangen aus Jagd, Sportschießen und Fischerei zusammen jährlich rund 44.000 Tonnen Blei in die Umwelt. Im Sommer 2026 hatte das Europaparlament bereits ein Verbot von Blei in Angelzubehör unterstützt. Auch dieses Dossier hatte Ripa als Verantwortliche ihrer Fraktion betreut. „Für Blei gibt es keinen sicheren Schwellenwert“, so die Abgeordnete. „Es geht darum, einen giftigen Stoff dort zu vermeiden, wo er absolut nicht nötig ist.“









