Obwohl Zucker sehr gesundheitschädlich ist, gibt es bislang keine Zuckersteuer. – Foto: jackmac34/pixabay.de

Kompass Orange

Zucker, Gemüse und Obst

Gibt es Altväterlicheres als die Aussage „Vorsorgen ist besser als heilen“? Wohl kaum. Und dennoch ist die Sache höchst aktuell. Sowohl das Gesundheitssystem als auch die Pflege stecken in der finanziellen Krise. Zum einen, weil heute viel mehr als früher möglich ist. Und zum anderen, weil die Finanzierung beider Systeme nicht mehr zeitgerecht ist. Da es aber um Lebensqualität und Würde der betroffenen Menschen geht, ist die Streichung von Leistungen („Leider zu teuer!“) fragwürdig.

Deshalb wird die Vorsorge schon seit vielen Jahren zwar empfohlen, aber kaum wirklich herausgefordert. Aktuelles Beispiel: Der Kanzler kassiert nach kurzer Debatte die Abgabe auf Zucker. Es gibt eigentlich niemand in der Fachwelt, der die Augen vor den erkennbaren Folgen des hohen Zuckerkonsums verschließt.

Staatliche Aktivität ist mittlerweile in vielen Ländern feststellbar – mit messbaren Erfolgen. Die Ernährungsindustrie reagiert nämlich auf solche Aktivität und ändert die Rezepturen von Getränken, Snacks und Fertigprodukten. Ich kann mir vorstellen, was im Hintergrund gelaufen ist, als die Pläne des Finanzministers für eine Zuckerabgabe auf Süßgetränke etwas konkreter wurden. Nicht nur der Zuckerrübenanbau hat seine Lobby – kam womöglich ein Anruf aus den USA?

Die oft vorgeschlagene Senkung oder gar Abschaffung der Mehrwertsteuer auf frisches Obst und Gemüse scheint auch keine Chance zu bekommen. Die Finanznot der öffentlichen Haushalte ist ein starkes „Argument“ gegen diese positive Präventionsmaßnahme. Bin ich zu naiv, wenn ich annehme, dass sich das eine (Zuckerabgabe) mit dem anderen (Mehrwertsteuersenkung) ausgleichen ließe?

Wenn „Präventionstage“ begangen werden (Ja, so etwas gibt es – in Bayern z.B. immer am Montag in der 42. Jahreswoche!), redet man gerne nicht nur vom allgemeinen Segen der richtigen Ernährung, sondern auch von den Einsparungen bei den Krankheitskosten und bei der Pflege. Doch wenn es dann konkret werden soll, bremst notfalls der Kanzler …

 


 

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