Dem „Sommer der Wahrheit“ muss eine Zeitenwende beim Naturschutz folgen
16. September 2026
Der Sommer 2026 hat offenbart, wie wenig vorbereitet wir auf die Folgen der Klimakrise sind. Die ÖDP-Europaabgeordnete Manuela Ripa kritisiert nun eine entscheidende Leerstelle in der Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Mit einem eindringlichen Appell reagiert die ÖDP-Politikerin Manuela Ripa auf die Rede der EU-Kommissionspräsidentin:
„Ursula von der Leyen hat zu Recht vom ‚Sommer der Wahrheit‘ gesprochen: Hitze, Dürre, verheerende Waldbrände, Wasserknappheit und austrocknende Flüsse zeigen, wie dramatisch die Folgen der Klimakrise bereits heute sind. Das gilt umso mehr, weil Europa der Kontinent ist, der sich am schnellsten erwärmt.
Doch auf die Diagnose müssen Konsequenzen folgen – keine Lippenbekenntnisse. Ausgerechnet Naturschutz, Biodiversität und intakte Ökosysteme kommen in ihrer Antwort praktisch nicht vor. Bei Wasserknappheit hören wir vor allem: Europas Leitungen verlieren zu viel Wasser, also müssen wir die Lecks schließen. Ernsthaft? Natürlich müssen marode Leitungen repariert werden. Aber Europas Wasserkrise lässt sich nicht allein mit dichteren Rohren lösen.
Wir brauchen Landschaften, die Wasser aufnehmen und speichern: gesunde Wälder, lebendige Flüsse und Auen, wiedervernässte Moore und intakte Böden. Artenreiche und intakte Ökosysteme sind keine schöne Ergänzung zur Klimaanpassung – sie sind eine ihrer wichtigsten Voraussetzungen.
Anpassung ist notwendig, darf aber konsequenten Natur- und Klimaschutz nicht ersetzen. Wer vom ‚Sommer der Wahrheit‘ spricht, muss auch die Ursachen angehen: unsere Abhängigkeit von fossilen Energien, den Flächenverbrauch und den übermäßigen Ressourcenverbrauch.
Deshalb müssen wir unsere Natur und Biodiversität schützen und zerstörte Ökosysteme wiederherstellen – und zwar jetzt. Dazu gehört insbesondere eine schnelle und konsequente Umsetzung des europäischen Renaturierungsgesetzes. Auch Deutschland steht hier politisch auf der Bremse.
Die angekündigte Allianz für Klimaversicherungen und der europäische Hitze-Aktionsplan gehen in die richtige Richtung. Sie setzen aber vor allem bei den Folgen der Klimakrise an. Wenn wir Schäden nur besser versichern und Krisen besser bewältigen, ohne ihre Ursachen zu bekämpfen, wird die Rechnung jedes Jahr größer.
Ja, Europa braucht weniger Bürokratie. Aber Entbürokratisierung darf nicht zum Deckmantel für Deregulierung werden. Wer Natur-, Klima- und Umweltstandards zurückdreht, schafft keine Wettbewerbsfähigkeit, sondern Unsicherheit und Folgekosten. Eine Kreislaufwirtschaft innerhalb unserer planetaren Grenzen ist ökologischer und geoökonomischer Imperativ zugleich.
Positiv in ihrer Rede war das klare Bekenntnis zu europäischer technologischer Souveränität bei Künstlicher Intelligenz. Europa muss eigene Fähigkeiten aufbauen und seinen eigenen Weg gehen – mit Regeln, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Auch die angekündigte ‚Alliance for the Future‘ mit Kanada ist ein interessantes Signal. In einer geopolitisch unsicheren Welt braucht Europa verlässliche demokratische Partner. Entscheidend wird sein, was die Allianz konkret beinhaltet.
Ebenso richtig ist die klare Ansage beim Schutz von Kindern im Netz. Plattformen müssen verpflichtet werden, suchterzeugende Mechanismen zu begrenzen und sichere digitale Räume zu schaffen. Den angekündigten Kids Act werde ich im parlamentarischen Verfahren akribisch verfolgen.“




