Zwei Wissenschaftler beim Sammeln von Boden- und Holzproben im Sperrgebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahr 1991. Foto: Gerd Pfitzenmaier
Zwei Wissenschaftler beim Sammeln von Boden- und Holzproben im Sperrgebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl im Jahr 1991. Foto: Gerd Pfitzenmaier

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40 Jahre Tschernobyl – Was lernen wir daraus?

Vor 40 Jahren, am 26. April 1986, kam es im ehemals sowjetischen Atomkraft Tschernobyl im Norden der heutigen Ukraine zu der folgenschweren Explosion eines Kernreaktors. Große Mengen an freigesetzten radioaktiven Partikeln gelangten in die Erdatmosphäre und wurden bis nach Mitteleuropa verfrachtet. Tausende Menschen erkrankten schwer und starben teilweise deutlich verfrüht.

Fünf Jahre nach dem Super-GAU (größter anzunehmender Unfall mit Umweltauswirkungen) reiste ein damals junger Journalist in das Sperrgebiet um den Unglücksort, um ein realistisches Bild von der Lage vor Ort zu gewinnen. Heute blickt Gerd Pfitzenmaier auf diese Reise zurück, die ihn nachhaltig beeindruckte und seine Haltung zu euphorischen Machbarkeitsillusionen prägte. Lesen Sie seinen Bericht auf oedp.de: Als Träume zum Alptraum wurden.

Nur elf Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe wehte in der bayerischen Politik ein atomkraftfreundlicher Wind: Im Jahr 1997 versicherte der damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) der ÖDP, dass er an vorgesehenen Standorten für neue Kernkraftwerke festhalten wolle. Fünf Standorte waren in Bayern damals für ein zusätzliches Atomkraftwerk reserviert. Für die ÖDP, die damals bereits die Haltung von Gerd Pfitzenmaier teilte, war dies inakzeptabel. Sie startete am 26. April 1998, also vor 28 Jahren, das Volksbegehren „Kein neues Atomkraftwerk in Bayern!“. Keine 2 ½ Monate später präsentierte der damalige bayerische ÖDP-Landesvorsitzende Bernhard Suttner auf dem Parteitag in München die ersten 25.000 Unterschriften, die zur Beantragung eines Volksbegehrens nötig gewesen wären. Der von dieser Kettenreaktion offensichtlich beeindruckte Edmund Stoiber (CSU) kündigt daraufhin im Wahlkampf 1998 die Streichung der fünf Standorte an.

 

Kleine neue Atomkraftwerke für eine strahlende Zukunft?

Doch heute, nach einem weiteren Super-GAU im japanischen Fukushima und in Zeiten von Drohnen-Kriegen und verbreiteten Sabotage-Aktionen, spielt das für die CSU offenbar keine Rolle mehr. Und so wirbt der amtierende bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für „Kernenergie 2.0“, die in Form von Mini-Reaktoren angeblich ohne die früheren Gefahren auskomme (tagesschau.de). Die ÖDP Bayern reagiert prompt und verlangt von Söder Auskunft über geplante Standorte für Klein-Atomkraftwerke.

Für die ÖDP ist klar, dass auch Mini-Atomkraftwerke bzw. Small Modular Reactors (SMR) keine Lösung für eine nachhaltige Energieversorgung darstellen. Laut BR wird mit der Fertigstellung des ersten SMR überhaupt in Kanada nicht vor Ende 2029 gerechnet. Diese Anlagen würden sich erst in einer Massenproduktion lohnen und die Risiken in die Fläche verteilen. Nicht zuletzt wird es noch Jahrzehnte dauern, bis Deutschland überhaupt ein Atommüll-Endlager hat.

Dass sich radioaktive Strahlung nicht einfach ausschalten lässt, scheint all zu oft in Vergessenheit zu geraten. Ab und zu wird man jedoch noch heute durch strahlenbelastete Wildschweine oder Pilze daran erinnert, die das Erbe von Tschernobyl auch 40 Jahre nach dem Super-GAU noch in sich tragen (GEO).

 


 

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