Eine vierspurige Autobahn und in der Mitte ein blaues Verkehrsschild mit Richtungspfeil. Foto: pixabay.com / Alexas_Fotos

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Krise kann nachhaltiges Verhalten fördern

Kennen Sie die A6? Das ist die Autobahn ganz im Westen, wo man auf der Überholspur normal 250 km/h fährt. Dieser Tage hingegen ist es dort sehr entspannt: weniger Autos und LKW und ein entschleunigtes, geradezu angenehmes Dahinfahren. So entschleunigt, dass man ab und zu sogar einen alten Citroen Lieferwagen mit französischem Nummernschild auf dem Standstreifen entdeckt, dessen Fahrer sich unter lautem Hupen und freudigem Geschrei der langsam Vorbeifahrenden gerade avec plaisir erleichtert. Man fühlt sich unter Freunden. Fahren ist wieder eine Freude, wenn man eben fahren muss, und das Leben nicht in vollen Zügen genießen kann, da die Bahnstrecke gerade repariert wird.

Anderseits ist es schon ernüchternd, dass gerade eine weltweite Krise nachhaltiges Verhalten fördert – und Forderungen, die wir schon seit Jahren stellen, plötzlich erfüllt werden: Tempo 120 auf Autobahnen, weniger Autofahrten und mehr auf Schiene und ÖPNV, weniger Flugreisen und stattdessen Urlaub im eigenen Land, frei nach dem Slogan der 70er: Heute bleibt das Auto kalt, heut‘ geh‘n wir in den Wiener Wald. Selbst das Konsumverhalten, die heilige Kuh unserer Marktwirtschaft, wandelt sich dieser Tage in vielen Bereichen und Aspekten zum – ökologisch – Guten. Und es ist nicht das erste Mal, dass eine Krise unsere Politik wachgerüttelt hat, man denke nur an die wunderliche Wirkung von Fukushima auf den Atomausstieg oder Corona auf das Homeoffice und die Digitalisierung.

Trotzdem, braucht es immer erst eine Katastrophe, bis unsere Politik das Richtige und wohl auch Unvermeidliche tut? Oder wäre es nicht an der Zeit, dass wir wieder ein wenig mehr aktiv und positiv von unserer gemeinsamen Zukunft träumen, uns ausmalen, was wie sein könnte, uns gemeinsam ein Ziel für eine bessere Zukunft setzen und dann auch mit vereinten Kräften darauf hinarbeiten? Vieles davon ist wohl weniger kontrovers, als „die Politik“ es uns gerade weismachen will, und vieles ist in einer am Gemeinwohl orientierten, demokratischen, ökologisch-sozialen Marktwirtschaft auch gar nicht so schwer umzusetzen.

Also, vielleicht fangen wir selbst einfach einmal an, mit weniger Dubai-Schokolade und mehr regionalen Produkten, vielleicht auch von dem Franzosen an der A6 – in der Hoffnung, dass er sich zwischenzeitlich die Hände gewaschen hat.

 


 

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