Bei der Hitze wäre manch einer gerne dort, wo Pinguine leben. Aber wir müssen bei uns mit den Temperaturen klar kommen. Jeder kann selbst einen Beitrag leisten, dass unser Zuhause auch im Sommer lebenswert bleibt. Foto: RosZie / pixabay.com

MontagsGedanken

Hitzestress: Wie weit würden wir gehen?

Vor einigen Jahren fand bei uns im Dorf der Karnevalsumzug unter dem Motto „Der Klimawandel ist kein Gefasel, die Pinguine sind schon in Hassel“ statt. Einmal abgesehen davon, dass die dabei eingesetzten Kostüme wohl ein cleveres Recycling aus dem Vorjahr waren, als es ebenso geistreich um „Die Nonne komme“ ging, fragt man sich schon, wieso die Pinguine gerade in das dieser Tage glutheiße und verdorrte Saarland abwandern sollten. Denn wenn das mit den Hitzerekorden so weiter geht, dann wird es nicht nur im Saarland extrem ungemütlich; und auch nicht irgendwann, sondern jetzt; und auch nicht ein oder zwei Tage im Jahr, sondern so lange, dass man am liebsten die Koffer packen und den Sommer über zu den Pinguinen auswandern möchte. Mensch, Tier und Pflanzen leiden unter der Hitze, und das Einzige, das noch an jeder Ecke wie Pilze aus der Erde sprießt, sind stromfressende Klimaanlagen.

Da hilft es auch nicht mehr, dass in knapp zehn Jahren vielleicht „Verbrenner-Aus“ ist, und dass wir irgendwann in den 2050ern vielleicht einmal CO2-neutral werden. Bis dahin wird noch viel Wasser die Blies und die Saar herunterfließen, und eigentlich müssten wir jetzt, sofort und radikal gemeinsam umdenken und beherzt handeln. Sofort die Verbrenner stehen lassen und auf den ÖPNV umsteigen, sofort die Flugreisen in ferne Länder einstellen und sofort die ganzen anderen CO2-Quellen von Fleischkonsum bis Fast Fashion konsequent angehen und stopfen.

Nur, wollen wir das wirklich? Hand aufs Herz, wer ist dazu bereit, seinen Worten auch konsequent Taten folgen zu lassen? Etwa unser Kanzler und Hobby-Pilot? Oder unser Verteidigungsminister, der trotz seiner enormen Beliebtheit mit Sicherheit kein Heilsbringer ist, sondern mit seiner Aufrüstung nicht nur Milliarden, sondern auch viel CO2 verpulvert, während die Subventionen für Wärmepumpen gestrichen werden? Oder ich selbst? Wie weit würde ich, wie weit würdest Du gehen?

Nur, dann müssen wir auch mit den Konsequenzen leben. Und da hilft es auch nicht, sich herauszureden, dass man als Einzelne oder Einzelner eh nichts tun kann und ja schon immer einmal unbedingt in Namibia Urlaub machen wollte. Letztlich ist jeder erst einmal für sein eigenes Handeln verantwortlich und nicht für das Anderer. Übrigens auch der Eigentümer des vollklimatisierten Vans auf dem Parkplatz unseres lokalen Discounters mit dem Aufkleber „Klimaschützer fahren Bus“. Da musste ich auch herzhaft lachen, fast wie damals bei den Pinguinen. Als Anerkennung für dieses exquisite Bonmot auf seiner Stoßstange wollte ich ihm eigentlich noch eine holländische Salatgurke in den Auspuff stecken. Nur bemerkte ich dann, dass der Van, pardon Bus, vier davon hat, und musste bei der Hitze und dem vielen Trinken doch dringend auf die Toilette, um Dampf abzulassen.

 


 

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