Viele kleine Leute können das Gesicht der Welt verändern
14. September 2026
Es gibt die verbreitete Ansicht, dass Deutschland ja nur einen kleinen Teil an CO2-Emissionen verursacht und deshalb all die Maßnahmen zum Klimaschutz nicht gerechtfertigt sind. Argumentativ lässt sich dem einiges entgegnen (siehe beispielhafte Links am Ende). Ich möchte jedoch auf einer anderen Ebene zeigen, warum diese Denkweise nicht sinnvoll ist.
Die grundsätzliche Argumentation ist, wenn mein/unser Teil zum Gesamten klein ist, ist eine Änderung kaum merklich und daher nicht nötig.
Wenn es um das Thema Klima geht, ist diese Argumentation ziemlich leicht verständlich. Wenn wir es auf den einzelnen Menschen runterbrechen, wird der Anteil natürlich noch mal dramatisch kleiner und Änderungen daher scheinbar noch sinnloser.
Ich möchte anhand von ein paar Beispielen eine andere Sichtweise eröffnen.
- Beispiel 1: Ich habe es seit einigen Jahren geschafft, meinen Abfall drastisch zu reduzieren. Warum habe ich das gemacht? Der Müllberg in Deutschland wird dadurch niemals sichtbar kleiner und die Meere werden dadurch nicht vom Kunststoff befreit. Es ist auf das große Ganze gesehen bedeutungslos. Das ist alles richtig. Ich habe es für mich gemacht. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen, wie viel Abfall ich produziere. Daher habe ich nach und nach nur noch Produkte in Mehrwegverpackungen gekauft, oder ganz ohne Verpackung. Mir alleine reichen 3-4 Leerungen der Abfalltonne pro Jahr. Damit habe ich mir geholfen, mich besser zu fühlen und außerdem einen winzigen, praktisch nicht merklichen Anteil dazu beigetragen, den Müll auf der Welt zu reduzieren. Zudem wird deutlich, es ist möglich und man kann auch so glücklich leben. Die „Einschränkungen“, die dadurch entstanden sind, weil ich bestimmte Sachen nicht mehr kaufe, sind für mich kein Problem. Ich lade jeden ein, es auch zu versuchen.
- Beispiel 2: Erfreulicherweise gibt es zahlreiche Hilfsorganisationen, die auf der ganzen Welt versuchen, die Menschen vor Hunger, Misshandlung und anderen Dingen zu schützen. Ein erheblicher Teil der finanziellen Mittel kommt von Privatpersonen. Warum tun die Menschen das? Wenn Projekte eine Million Euro und mehr kosten, was sollen da 10 € im Monat schon ausrichten? Alleine nichts. Aber wenn sich genug beteiligen, funktioniert das.
- Beispiel 3: Warum sind Sie freundlich zu Ihren Mitmenschen? Damit können Sie die großen Konflikte der Welt nicht lösen. Vermutlich tun Sie es, weil es viel angenehmer ist, freundlich mit Menschen zu kommunizieren.
- Beispiel 4: Der Kölner Dom wurde über Jahrhunderte gebaut. Der Einzelne war kaum merklich daran beteiligt. Aber alle waren sie wichtig, um nach 600 Jahren das eindrucksvolle Ergebnis zu haben.
Diese Liste könnte man lange weiterführen. Alle Beispiele haben eines gemein: Es geht nicht darum, dass ein Superheld die ganze Welt retten muss. Jeder kann nach seinen Möglichkeiten für sich und sein nächstes Umfeld die Welt versuchen, besser zu machen oder wenigstens nicht schlechter. In gleicher Weise sind die Maßnahmen gegen die Klimakrise auch dafür da, um in unserem Umfeld die Luft und die Gewässer sauber zu halten. Um den Humus und die Artenvielfalt so gut es geht zu erhalten. Das sind alles Maßnahmen, die auch uns Menschen gut tun. Sind das nicht Ziele, die jeder unterschreiben kann?
Fazit: Wenn Deutschland sofort aufhört, CO2 und Müll zu produzieren, wird das die Probleme auf der Welt nicht lösen. Der Umkehrschluss, es sei daher sinnlos, etwas zu tun, ist aber falsch. Die Motivation muss nicht sein, die Welt zu retten, sondern für sich und das Umfeld die Situation zu verbessern. Und als schöner Nebeneffekt wird die Welt auch ein wenig besser.
Ein recht bekanntes Sprichwort fasst es gut zusammen: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
Onlinetipps:
HelmholtzKlima Dialogplattform
Ist es für Klimaschutz nicht längst zu spät?
Klimafakten – Neuer Faktencheck
„Deutschland verursacht bloß zwei Prozent des globalen CO2-Ausstoßes – und …?“
Ørsted EnergieWinde – Mythen der Energiewende
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