Krankenversorgung in Gefahr – Wie retten wir unser Gesundheitswesen?
21. April 2026
Innerhalb der letzten 30 Jahre haben sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland verdreifacht. Für das Jahr 2025 rechnet man nun bereits mit 579,5 Milliarden Euro. Hiervon zahlen die gesetzlich Versicherten mit 356 Milliarden den Löwenanteil. Auch die Zusatzbeiträge der Versicherten sind nach Schätzungen auf 2,9 % des Bruttolohns angestiegen. Trotzdem rechnen die gesetzlichen Krankenkassen für 2027 mit einer Finanzierungslücke von 12 bis 14 Milliarden Euro. Die meisten Kosten verursachten Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel. Beide haben sich in den vergangenen Jahren stark verteuert. Daher sollte das Einholen einer Zweitmeinung vor einer OP obligatorisch werden, wie von der bundesweiten Expertenkommission vorgeschlagen. Die ständig steigenden Arzneimittelkosten könnten über Preisdeckelung und durch mehr Kostentransparenz für die Patienten verringert werden.
Anstatt ständig neue Finanzlöcher zu stopfen, muss eine ganzheitliche Gesundheitspolitik aber wesentlich früher ansetzen und viel mehr auf Gesundheitsbildung und auf Prävention setzen, da vor allem die Zivilisationskrankheiten zugenommen haben. Auch ärztliche Beratung und Naturheilkunde sollten wieder die Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht. Mittelfristig lässt sich die Veränderung eines lang trainierten, krankmachenden Konsumverhaltens vermutlich nur mit erhöhten Steuern und Abgaben auf alle krankmachenden Nahrungs- und Genussmittel erreichen. Unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel und bestimmte Grundnahrungsmittel, die im allgemeinen gesundheitsfördernd wirken, sollten im Gegenzug dazu ganz von der Mehrwertsteuer befreit werden, was in Zeiten allgemeiner Teuerung für den nötigen sozialen Ausgleich sorgen würde.
Auch Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, hält es „für entscheidend, dass das Gesundheitswesen in Richtung Prävention und Gesundheitskompetenz weiterentwickelt wird.“ Und er bestätigt: „Viele Krankheitsbilder könnten durch mehr Bewegung und gesunde Ernährung vermieden werden.“ Die vorgeschlagenen Maßnahmen wie die Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer sowie die Einführung einer Steuer auf gezuckerte Getränke betrachtet er als wichtige Schritte in die richtige Richtung. Dafür sei jedoch konsequentes politisches Handeln dringend notwendig.
Wie recht er hat. Zusätzlich sehen wir die Notwendigkeit, durch Verbesserung der soziokulturellen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz, im Elternhaus und in den Schulen etwas gegen die Zunahme von Depressionen, Burnout und Suchterkrankungen zu unternehmen. Außerdem fordern wir in der ÖDP eine solidarische Finanzierung der Kosten im Gesundheitswesen und eine Abkehr von der Zwei-Klassen-Medizin: Jeder Bürger, jede Bürgerin soll einkommensabhängig einen Beitrag zum Gesundheitswesen leisten. Auch Beamte, Abgeordnete, Selbständige etc. sind – ähnlich wie bei unseren ausländischen Nachbarn Österreich und Schweiz – ins System zu integrieren. Ebenso müsste die Beitragsbemessungsgrenze endlich angehoben werden, damit auch die Besser- und Bestverdienenden sich mehr an den Kosten beteiligen. Gemeinsam können wir uns dann auch ein wirklich gutes und gerechtes Gesundheitssystem für alle Bürger leisten.







