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Der Ökologische Rat der ÖDP
17. September 2026
Als einzige Partei in Deutschland hat die ÖDP seit ihrer Gründung einen Ökologischen Rat als Institution in ihrer Satzung vorgesehen. Die Mitglieder des Ökologischen Rates haben die Aufgabe, die Organe und Mandatsträger der Partei in ökologischen Angelegenheiten wissenschaftlich zu beraten. Der Ökologische Rat besteht aus Wissenschaftlerinnen / Wissenschaftlern und Fachleuten, die vom ÖDP-Bundesvorstand dem Bundesparteitag vorgeschlagen und von diesem für vier Jahre berufen werden. Eine Wiederberufung ist möglich. Mit der Berufung der aktuellen Mitglieder auf dem Bundesparteitag der ÖDP vom 17.–19.10.2025 in Bingen ist die Institution des Ökologischen Rats wieder aktiviert worden. Sprecher des Ökologischen Rats ist aktuell Prof. Dr. Klaus Buchner, der diese Aufgabe bereits in der Zeit von 1990 bis 2000 wahrgenommen hatte.
In den Ausgaben 203 und 204 der ÖkologiePolitik hatten wir jeweils zwei Mitglieder des neu besetzten Rats vorgestellt. Hier können Sie alle vier Mitglieder (Stand: August 2026) des ÖDP-Gremiums kennenlernen. Mit Klick auf einen der folgenden Links gelangen Sie direkt zu dem entsprechenden Vorstellungstext.
Prof. Dr.-Ing. Wilfried Kühling
Prof. Dr. Klaus Buchner

Dieser Name dürfte allen ÖDP-Mitgliedern ein Begriff sein. Geboren 1941 in München, kann Klaus Buchner auf einen langen Lebenslauf zurückblicken. Im Jahr 1983 trat er in die ÖDP ein, war von 2003 bis 2010 ihr Bundesvorsitzender und errang 2014 und 2019 als ÖDP-Spitzenkandidat ein Mandat im Europaparlament. Dort war er als Mitglied der Fraktion Grüne/EFA in zahlreichen Ausschüssen, Unterausschüssen und Delegationen aktiv. Im Juli 2020 übergab er sein Mandat an Manuela Ripa.
In seiner akademischen Laufbahn spezialisierte er sich 1964/65 auf Elementarteilchenphysik an der University of Edinburgh, u. a. bei Peter Higgs.
Von 1965 bis 1970 arbeitete er im Bereich Experimentelle Elementarteilchenphysik am Max-Planck-Institut für Physik in München unter dem damaligen Direktor Werner Heisenberg. Dabei wurde er mehrmals zum Europäischen Teilchenbeschleuniger in Genf delegiert.
In den Jahren 1971/72 forschte Buchner am Institut für Grundlagenphysik der Kyoto University von Hideki Yukawa (Nobelpreis für die Entdeckung der Kernkräfte).
1972 half er beim Aufbau einer Gruppe für experimentelle Elementarteilchenphysik an der Chandigarh University (Panjab, Indien) mit. Dann kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete von 1973 bis 2006 am Institut für Mathematik der Technischen Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Relativitätstheorie, die Differenzialgeometrie, die relativistische Elektrodynamik und die Wirkung von Funkstrahlung auf biologische Systeme. Zu Letzterem veröffentlichte er mehrere begutachtete („peer reviewed“) Arbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften. Insgesamt zeichnete er für etwa 70 wissenschaftliche Veröffentlichungen verantwortlich.
Klaus Buchner ist Mitglied der wissenschaftlichen Akademie „Accademia Peloritana dei Pericolanti“ (Messina, Italien) und Träger der Goldenen Verdienstmedaille der University of Wrocław (Breslau, Polen).
Prof. Dr.-Ing. Wilfried Kühling
Wilfried Kühling, Jahrgang 1948, studierte Raumplanung an der Universität Dortmund. 1979 legte er seine Diplomprüfung ab. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät Raumplanung promovierte er zum Dr.-Ing. im Jahr 1985. Von 1986 bis 1993 baute er als wissenschaftlicher Mitarbeiter das Sachgebiet Umweltplanung im Amt für Umweltschutz der Stadt Wuppertal auf und leitete dieses. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Dortmund, wo er schließlich 1998 habilitierte. Von 1996 bis 2014 hatte Wilfried Kühling eine Professur für Raum- und Umweltplanung am Institut für Geowissenschaften und Geographie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne. Jetzt ist er im Ruhestand.

Inhaltlich befasste Kühling sich mit Bewertungsverfahren und vorsorgeorientierten Bewertungsmaßstäben in der Umweltplanung bzw. zur Umweltverträglichkeitsprüfung, mit der Entwicklung von Verfahren zur Inwertsetzung von Umweltqualität (z. B. über Umweltqualitätsziele und -konzepte) sowie mit Ansätzen zu Theorien und Modellen einer nachhaltigen Raumentwicklung. Seiner Feder entstammen viele Forschungsarbeiten und Gutachten zu Problemen der regionalen und kommunalen Planungspraxis sowie zu Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren. Außerdem ist er Autor etlicher Bücher und weiterer Veröffentlichungen.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Wilfried Kühling langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und Mitglied im Bundesvorstand des BUND. 1988 gründete er die Gesellschaft für Umweltverträglichkeitsprüfung e. V. und ist dort u. a. zum Thema „Elektromagnetische Felder“ in der Arbeitsgruppe „Gesundheit“ aktiv. Weiterhin gehört er dem Vorstand der Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e. V. an, die sich für wirtschaftlich unabhängige, qualitativ hochwertige Forschung und praxisorientiertes Wissen u. a. zu einer gesundheitsverträglichen Gestaltung der mobilen Kommunikation einsetzt.
Prof. Dr. Michael Braungart

Der 1958 in Schwäbisch Gmünd geborene Verfahrenstechniker und Chemiker Michael Braungart entwickelte zusammen mit William McDonough das „Cradle to Cradle“-Konzept (von der Wiege bis zur Wiege: Alles muss so konstruiert sein, dass es im nächsten Produkt weiterverwendet werden kann). Er ist Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency, Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA) und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts.
Ab dem Jahr 1982 wirkte er beim Aufbau des Bereichs „Chemie“ von Greenpeace Deutschland mit, den er von 1985 bis 1987 leitete.
1987 gründete Braungart das EPEA-Institut. Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten und Designer William McDonough ist er aber auch Gründer der Design- und Entwicklungsfirma McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville (Virginia, USA). Von 1994 bis 2008 lehrte er an der Universität Lüneburg Stoffstrommanagement. Im Jahr 2002 nahm er eine Gastprofessur an der University of Virginia an. Seit Herbst 2008 ist er Professor für den Cradle-to-Cradle-Studiengang an der Erasmus University Rotterdam (Niederlande). Zudem ist Braungart Professor für Öko-Design und Öko-Effektivität an der Leuphana Universität Lüneburg. 2024/2025 lehrte er im Rahmen einer Stiftungsgastprofessur an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd.
Seit 1994 referiert und publiziert Braungart zu den Themen: „Realisierung zukunftstauglicher ‚intelligenter Produkte‘“, „Entwicklung und Umsetzung von Umweltschutzkonzepten“, „umweltverträgliche Produktionsverfahren“ und „Ökobilanzen komplexer Gebrauchsgüter“.
2003 erhielt er den Presidential Green Chemistry Challenge Award der US-Umweltbehörde EPA und 2022 den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für „Cradle to Cradle“.
Prof. Dr. Michael Succow

Der 1941 in Brandenburg geborene Michael Succow studierte von 1960 bis 1965 Biologie an der Universität Greifswald. Seine wissenschaftliche Laufbahn musste er im Zuge des „Prager Frühlings“ zwar zunächst aufgeben, konnte aber dennoch im Jahr 1970 an der Universität Greifswald als Externer promovieren – die Dissertation stellte er während seiner „Bewährung in der Praxis“ im Meliorationskombinat fertig (Melioration: technische Maßnahmen zur Ertragssteigerung auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen). Nach einer langjährigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seiner Habilitation mit einem moorkundlichen Thema wurde Succow 1987 zum Professor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR ernannt.
In den letzten Monaten des ostdeutschen Staates nutzte Succow eine besondere Chance: Im Januar 1990 wurde er in dem neu strukturierten Ministerium zum Stellvertretenden Minister für Natur-, Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR ernannt, nachdem die Bürgerbewegungen schon im Herbst 1989 die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Naturschutz gefordert hatten. Succow war zuständig für den Naturressourcenschutz und die Landnutzungsplanung – Felder, die es bislang so nicht gab. In diesem Amt gelang ihm gemeinsam mit den von ihm ins Ministerium geholten Freunden und Weggefährtinnen der Coup, das sogenannte „Nationalparkprogramm“ zu initiieren. Bereits im März 1990 konnten knapp 12 % des DDR-Territoriums einstweilig durch den Ministerrat als Großschutzgebiete ausgewiesen werden. Es waren insbesondere bisherige Staatsjagdgebiete, Grenzsicherungsräume und Truppenübungsplätze. Bis zur Wiedervereinigung gelang es, davon fast die Hälfte als Biosphärenreservate, Nationalparks und Naturparks neuer Prägung mit eigenen Verwaltungen in den Einigungsvertrag einzubringen und damit endgültig zu sichern. 1997 wurde ihm dafür der Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) verliehen.
Mit einer Vielzahl an Publikationen hat sich Michael Succow besonders als Moor-Ökologe international einen Namen gemacht. Seine ökologisch-hydrologische Moortypisierung gilt in der Moorkunde als Standardwerk.
Seit 1999 setzt er sich mit der Michael Succow Stiftung in Deutschland und weltweit für Moor- und Klimaschutz, neue UNESCO-Biosphärenreservate und Weltnaturerbegebiete sowie einen zukunftsfähigen Umgang mit unserer Kulturlandschaft ein.









