Natürlich geschwungene Bachläufe stellen wichtige Bausteine eines wirksamen Hochwasser- und Dürreschutzes dar. Grafik: Otto Baronky (© Heike Brückner)

MeinungenMontagsGedanken

Wasserwirte braucht das Land

Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde und das wichtigste Element für unser Ökosystem. Unsere Landschaften wurden seit mehr als 200 Jahren dahingehend gestaltet, Wasser so schnell wie möglich herauszuleiten. Die Folge sind verschärfte Dürre- und Hochwasser-Situationen, eine zu geringe Grundwasserneubildung und damit eine verschärfte Trinkwasserproblematik. Gleichzeitig beeinflusst dies die Klimaproblematik negativ und beschleunigt das Artensterben.

Einen absoluten Schutz vor Hochwasser gibt es nicht. Mit herkömmlichen Mitteln und Denkweisen, so die Überzeugung von uns ÖDP-Fachleuten, die 2021 unser Hochwasser- und Dürreschutzpapier erstellten, können wir jedoch den Bedrohungslagen Starkregen und Hochwasser nicht mehr Herr werden. Dort, wo der erste Regentropfen auf den Boden auftritt, soll gedanklich der Hochwasserschutz beginnen und damit automatisch der Dürreschutz. Der Dürreschutz ist dabei nicht separat zu betrachten, sondern nur die andere Seite derselben Medaille.

Das Konzept sieht deshalb eine Vernetzung von Boden, Wasser, Moor, Kleingehölz, Auen und Wald zu „wasserhaltenden Landschaften“ vor. Naturnaher Hochwasser- und Dürreschutz ist damit direkter Klimaschutz, da er durch die Vernetzung der verschiedenen Bereiche die Aufnahmefähigkeit des Bodens für Wasser erhöht und somit Kleinklimazonen schafft, die die Biodiversität und damit auch die Kohlenstoff-Aufnahme des ganzen Ökosystems erhöht und damit zur CO2-Reduktion beiträgt.

Es geht letztlich darum, einen Ausgleich zwischen zu viel und zu wenig Wasser in unseren Breitengraden zu finden. Der humushaltige Boden ist für uns dabei der wichtigste Wasserspeicher, den es zu schützen und aufzubauen gilt. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht sofort zum Abfluss kommt, entlastet bei Hochwasser und ist gleichzeitig ein Gewinn für den Natur- und Wasserhaushalt bei Trockenwetterperioden und Hitzewellen.

Eines der grundlegenden, neuen Konzepte, die die ÖDP in ihrem Papier vorstellt, ist das „Kubaturen-Konzept KOCH“ von Dr. Erich Koch. Es erhöht das Wasserrückhaltevermögen in der Landschaft und vernetzt die Kleingewässer, die nicht ständig wasserführenden Gräben, Bodensenken, Mulden und Beckenkaskaden zu einem durchgängigen Retentionsnetz. Es verbindet Hochwasser- und Dürreschutz und stärkt damit die Biodiversität.

Landwirte sind für die Umsetzung des naturnahen Hochwasser- und Dürreschutzes, nach unserer Überzeugung die wichtigsten Partner. Die Vergütung soll für die Landwirte, die für uns auch „Wasserwirte“ sind, durch langfristige Verträge so hoch sein, dass sie ein großes Interesse an der Umsetzung auf der eigenen Fläche haben.

Der naturnahe, dezentrale und integrative Hochwasser- und Dürreschutz würde unser Landschaftsbild positiv verändern, Artenschutz fördern, Kleinklimazonen schaffen und damit zu den wichtigsten Klima-Anpassungsmaßnahmen beitragen. Unsere Böden und Wälder könnten somit wieder zum wichtigsten Faktor bei der Klimaheilung werden.

 


 

Mehr ÖkologiePolitik

Archiv der Online-Beiträge

ÖkologiePolitik auf Social Media