Fremdschämen…


Das Fremdschämen ist eine eigenartige Sache: Eigentlich muss jede und jeder für sich selbst Verantwortung tragen. Und doch stellt sich manchmal angesichts des Verhaltens anderer Menschen dieses Gefühl ein: „Oh je, oh je… wie kann der nur… das geht doch nicht, das ist doch völlig unmöglich, ekelig, schrecklich zum Schämen.“

Bei der Abstimmung am 12.9.2018 im Europäischen Parlament ging es um die Einleitung eines Verfahrens gegen die Orban-Regierung in Sachen Verletzung der demokratischen Werte der EU. In Ungarn gibt es seitens der Regierung Beschneidung der Pressefreiheit, Gefährdung der Gewaltenteilung und Angriffe auf die Freiheit der Wissenschaft. Einer Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten war das alles zu viel. Sie zeigten der ungarischen Regierung die Rote Karte. Gut so. Endlich. Gratulation!

Die rechtsradikalen und nationalistischen Fraktionen stimmten natürlich dagegen. Sie stellten sich Herrn Orban zur Seite. Nur die rechtsradikalen Nationalisten? Nein. Leider – und hier beginnt nun mein Fremdschämen – stellten sich 80% der Abgeordneten, die die bayerische CSU stellt, in namentlicher Abstimmung an die Seite der Nationalisten und Rechtsradikalen: Frau Hohlmeier, Herr Ferber, Frau Niebler, Herr Deß. Proben diese Leute schon einmal die Koalition mit der AfD? Muss man Seehofers Aussage von der Migration als angeblicher „Mutter aller Probleme“ auch als Angebot an die Rechtsradikalen bewerten?

Für bayerische, demokratische Patrioten ist Fremdschämen angesagt… Wer bisher CSU gewählt hat, aber diese Orientierung nach Rechts furchtbar findet, der sollte sich spätestens jetzt neu ausrichten. Schämen reicht nicht mehr.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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