Stetig wachsender Wohlstand sollte nicht als politische Hauptaufgabe gesehen werden. – Bild: geralt/pixabay.de

Kompass Orange

Bessere Ziele

Wenn Versprechungen nicht erfüllt werden, ist man enttäuscht. Wenn sich Versprechungen und deren ausbleibende Erfüllung ständig wiederholen, dann wird aus Enttäuschung aggressive Wut oder resignativer Zynismus.

Steigender materieller Wohlstand, eine wachsende Wirtschaft und Schutz vor existenziellen Bedrohungen – das sind die Erwartungen an den Staat. Debatten und Programme konzentrieren sich auf diese Themen. Leider lassen sich aber die großen Versprechungen seit längerem nicht mehr glaubwürdig genug erfüllen: Jede kriminelle Gewalttat zeigt, dass Fanatismus und Menschenverachtung nicht aus der Zivilisation „gelöscht“ werden können. Auch Taten von psychisch schwer gestörten Personen lassen sich nicht absolut verhindern, andere Gefahren wie Krankheiten, menschliches Versagen usw. trotz Vorsorge niemals „abschalten“. 

Der Wunsch nach Sicherheit bleibt berechtigt, aber er kann trotz redlichen Bemühens staatlicherseits nicht im gewünschten Umfang erfüllt werden. Gewissenlose Populisten wissen das. Sie machen daraus eine Waffe gegen den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat: „Er schützt euch nicht, er lässt euch allein!“

Auch das Wohlstandsversprechen wackelt: Alternde Industriegesellschaften können die Erwartung steigenden materiellen Wohlstands nicht mehr erfüllen. Mittlerweile werden überall auf dem Planeten Industriegüter produziert. Langjährig erfolgreiche „Geschäftsmodelle“ brechen zusammen. Gegen die früher so gewinnträchtige Ausbeutung anderer Völker – Kolonialismus! – gibt es Widerstand. Auch die geschundene Natur schlägt zurück. Populisten interessiert das alles nicht: „Der Staat versagt!“

Wir sollten illusionäre Wohlstandsversprechen aufgeben und selbstbewusst in Konfrontation zum Populismus andere, bessere Ziele einfordern: Die Stabilisierung der ökologischen Basis, die Bewahrung der bürgerlichen Freiheitsrechte und die umfassende Achtung der Menschenwürde passen gut zu einer maßvollen, am Gemeinwohl orientierten Kreislaufwirtschaft ohne Wachstumszwang. 

 


 

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