Sehr geehrter Herr Kühnert,


kann es sein, dass Sie eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit nicht besonders interessiert?

Was soll eigentlich in einem Unternehmen vom Schlage BMW nach dessen Kollektivierung so ganz anders laufen als in einer Kapitalgesellschaft heutigen Zuschnitts? Sie werden wohl sagen: Der Profit wird gerechter verteilt und zwar auf diejenigen, die ihn erarbeiten. Aber wie wird dieser Profit zustande kommen? Auf ähnliche Weise wie heute – durch Produktion und weltweiten Verkauf von PKW für den motorisierten Individualverkehr, wie sie der Markt („Freude am Fahren“) eben verlangt? Oder nehmen Sie an, dass ein kollektiviertes Unternehmen automatisch nur noch ethisch verantwortliche Produkte herstellen wird? Ich bezweifle das.

Ihr aktueller Sozialismus-Anstoß hilft uns bei der Beantwortung der zentralen Frage nicht weiter: Welche Produktion ist angesichts von Naturzerstörung und atmosphärischer Überhitzung überhaupt noch zu verantworten? Wie schaffen wir eine kluge Reduktion? Wie können wir die fortgesetzt aggressive Expansion von homo sapiens gegen die anderen Arten der Biosphäre beenden? Diese Probleme müssen wir auf die Tagesordnung von Politik und Wirtschaft setzen.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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