Nehmt den Druck aus den Heimen!

8000 neue Pflegekräfte will die vielleicht-zukünftige Bundesregierung gewinnen und finanzieren, um so die schwierige Lage in vielen Seniorenheimen zu entschärfen. Nichts dagegen. Allerdings wird sich durch diese Maßnahme wenig ändern, weil pro Einrichtung dann eine einzige zusätzliche Halbtags-Arbeitskraft aktiv werden kann…

Die Personal-Misere in den Sparten Kinder-Betreuung, Krankenhaus, Begleitung von Menschen mit Behinderung oder eben auch Altenpflege hat vor allem damit zu tun, dass wir uns nicht vom völlig antiquierten System der Finanzierung unseres Sozialsystems trennen können: Löhne und Lohnnebenkosten machen in den genannten Einrichtungen bis zu 90% der Gesamtkosten aus! Würden wir nicht die Löhne, sondern z.B. den Energieverbrauch in der Gesamtwirtschaft zur Finanzierung des Sozialsystems heranziehen, wäre der Druck zum Einsparen von Personal aus den Einrichtungen genommen: Wenn der größte Kostenfaktor reduziert wird, ist das gut für die Erfolgsrechnung der Einrichtung – auch wenn die Hauptbetroffenen dabei verlieren.

Die Kernidee der ÖDP-Programmatik – Entlastung des Faktors Arbeit bei gleichzeitig höherer Belastung der Faktoren Umweltverbrauch und Kapitalertrag – ist aktueller denn je. Wir alle sollten aktiver damit umgehen. Die voll im Gang befindliche Digitalisierung, also die massive Steigerung der Produktivität durch Datenerhebung und Datennutzung treibt derzeit weltweit den Energieverbrauch in die Höhe. Ein weiterer Grund, über ein „Steuern- und Sozialabgaben-System 4.0“ nachzudenken…

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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