„Blühende Landschaften“

Momentan ist das ein nettes Spiel für small-talk-Runden: „Und was würdest du in den Koalitionsvertrag reinschreiben?“

Mein Vorschlag ist sehr schlicht: „Die Bundesregierung wird durch umfassende Korrekturen in der Landwirtschaftspolitik dafür sorgen, dass der Lebensraumtyp `Flachland-Mähwiese´ wieder zur vorherrschenden Grundform der Gründlandwirtschaft in ganz Deutschland wird.“

„Wie bitte? Was soll das denn? Hast du keine anderen Probleme? Was ist eine `Flachland-Mähwiese´ eigentlich?“ Solche Reaktionen sind ihnen sicher, wenn sie so einen Vorschlag machen. Und doch bleibe ich dabei: Das heute stattfindende Verschwinden der blühenden Wiesen und ihr Ersatz durch massiv gedüngtes Intensivgrünland, das 6mal pro Jahr gemäht wird um Silage für die Turbo-Fleisch- und Milch-Industrie zu gewinnen, ist eines unserer größten Umweltprobleme: Wo nichts mehr blüht verschwinden Bienen und andere Insekten. Wo die Insekten fehlen, gibt es keine Vögel mehr. Der „stumme Frühling“ ist dann wohl kaum noch zu verhindern. Wer möchte in einer Welt ohne Farben, ohne Naturmusik, ohne wildes Leben seine Tage verbringen oder gar Kinder und Enkel aufziehen? Ja, blühende Wiesen müssen als Ziel in den Koalitionsvertrag, weil sie zu den artenreichsten Lebensraumtypen überhaupt zählen.

Helmut Kohl dachte seinerzeit wohl eher an Autobahnen und Gewerbegebiete, als er „blühende Landschaften“ versprach. Manchmal erschließt sich die Wahrheit erst auf Umwegen…

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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