Wirtschaftswende ist die Antwort für eine nachhaltige Zukunft
18. September 2026
Unser bisheriges Wirtschaftsmodell stößt immer deutlicher an seine Grenzen. Klimawandel, Artensterben, Ressourcenknappheit und die zunehmende Verschmutzung unserer Umwelt zeigen, dass unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht funktionieren kann. Die EU-Umweltagentur macht in ihren Berichten deutlich, wie stark Europas Natur bereits unter Druck steht. Gesunde Böden, Wälder und Gewässer sind jedoch keine Nebensache – sie bilden die Grundlage unseres Wohlstands.
Deshalb brauchen wir eine Wirtschaftswende. Als Europaabgeordnete setze ich mich seit Jahren für ein Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen ein – ein Grundgedanke, der fest zur DNA der ÖDP gehört. Unser Ziel ist eine Wirtschaftsordnung, die Ressourcen schont, Innovation fördert und langfristigen Wohlstand ermöglicht. Ein entscheidender Weg dahin liegt in der Kreislaufwirtschaft.
Kreislaufwirtschaft – das Wirtschaftsmodell der Zukunft
Wir müssen weg von der ressourcenintensiven Wegwerfgesellschaft und hin zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaftsgesellschaft. Wir haben diesbezüglich in Europa in den vergangenen Jahren auch einige Fortschritte erzielt – nicht zuletzt aufgrund des Drucks, der vom EU-Parlament ausgegangen ist. Dazu zählt etwa das EU-Recht auf Reparatur sowie der EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft.
Dabei ist wichtig zu betonen, dass die Kreislaufwirtschaft weit mehr ist als Recycling. Sie beschreibt ein neues Wirtschaftsmodell, in dem Produkte langlebiger werden, Materialien möglichst vollständig im Kreislauf bleiben und Abfälle gar nicht erst entstehen. Dadurch werden Rohstoffe geschont, Unternehmen unabhängiger von Importen und Europa insgesamt widerstandsfähiger.

Wie das in der Praxis funktioniert, konnte ich bei meinem Besuch des saarländischen Unternehmens Pyrum Innovations erleben. Dort werden aus Altreifen hochwertige Sekundärrohstoffe gewonnen, die wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Gleichzeitig werden durch die hohen Temperaturen der eigens dafür entwickelten Thermolyseanlage problematische PFAS-Verbindungen zerstört. Solche innovativen Unternehmen zeigen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind.
Deshalb habe ich Ende Juni gemeinsam mit zwei Kollegen im EU-Parlament die GLOBE-EU-Konferenz „Circularity – Bridging Policy and Practice“ organisiert. Dabei wurden die Ergebnisse zweier GLOBE-EU-Arbeitsgruppen vorgestellt, in denen Experten die wirtschaftlichen und strategischen Erfordernisse für die Förderung der Kreislaufwirtschaft in Europa untersucht haben.
GLOBE EU ist eine fraktionsübergreifende Gruppe von Mitgliedern des EU-Parlaments, der ich als Präsidentin vorstehe. Sie dient gleichgesinnten Abgeordneten als Plattform für strukturierten Austausch mit Experten, Wissenschaftlern, Vertretern von Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie der EU-Kommission. Die übergeordnete Vision, die die Arbeit inspiriert, ist eine Welt, in der wir im Rahmen der natürlichen Ressourcen unseres Planeten leben und wirtschaften. Die Konferenz fand kurz vor der Vorstellung des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes der EU-Kommission statt. Unsere Botschaft war eindeutig: Echte Kreislaufwirtschaft schützt unsere Umwelt, sie stärkt die europäische Wettbewerbsfähigkeit und sie stärkt die strategische Widerstandsfähigkeit Europas. Europa hat das Glück, über viele herausragende Unternehmen zu verfügen. Wenn wir wirklich wollen, dass Europa weltweit eine Vorreiterrolle bei der Kreislaufwirtschaft einnimmt, muss unsere Gesetzgebung Innovationen aktiv unterstützen und eine breite Zusammenarbeit zwischen Politik, Unternehmen, Forschern, Investoren und Zivilgesellschaft erfolgen.
Wissenschaft bestätigt den Weg
Nur wenige Tage später durfte ich eine weitere hochkarätige Veranstaltung eröffnen – diesmal zum neuen Global Environment Outlook 7 (GEO-7) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).
Der Bericht ist die bislang umfassendste wissenschaftliche Analyse zum Zustand unserer Umwelt. Seine Botschaft ist klar: Umwelt- und Naturschutz sind keine Belastung für die Wirtschaft, sondern ihre wichtigste Grundlage.
Bestärkt hat mich, dass GEO-7 die Kreislaufwirtschaft ebenfalls nicht als einzelnes Umweltinstrument versteht, sondern als Bestandteil einer umfassenden wirtschaftlichen Transformation. Der Bericht fordert, Produkte so zu gestalten, dass Materialien im Kreislauf bleiben, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, Energie effizienter zu nutzen, fossile Subventionen abzubauen und natürliche Ökosysteme wiederherzustellen. Gleichzeitig sollen Umweltkosten künftig stärker in wirtschaftliche Entscheidungen einfließen und Wohlstand nicht allein am BIP gemessen werden.
Ein weiterer zentraler Begriff ist für mich dabei Resilienz. Resilienz bedeutet weit mehr als Krisenfestigkeit. Sie beschreibt die Fähigkeit unserer Gesellschaften, wirtschaftlich, ökologisch, digital und sozial unabhängiger zu werden. Genau deshalb investieren resiliente Volkswirtschaften in Innovation, Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und den Schutz ihrer natürlichen Lebensgrundlagen. Die Vereinten Nationen bestätigen damit wissenschaftlich, was die ÖDP seit vielen Jahren postuliert: Nachhaltiges Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen ist kein Verzichtsmodell, sondern die Voraussetzung für dauerhaften Wohlstand.
Auf diese Arbeit wollen wir u. a. mit einer weiteren Konferenz zu nachhaltigen Wirtschaftsmodellen Ende des Jahres im EU-Parlament aufbauen.
Es braucht ethische Orientierung
Der Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft gelingt jedoch nicht allein durch neue Technologien oder politische Entscheidungen. Er braucht auch eine ethische Grundlage.

Deshalb habe ich gemeinsam mit dem Jesuit European Social Centre und der European Laudato Si’ Alliance eine Veranstaltung im EU-Parlament zur Studie der Deutschen Bischofskonferenz „Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Biodiversität – Ethische Perspektiven für die globale Landnutzung“ organisiert.
Die Studie macht deutlich, dass Ernährungssicherheit, Artenvielfalt und Klimaschutz zusammengehören und gemeinsam gedacht werden müssen. Ich bin überzeugt, dass wir die Kirchen auf diesem Weg brauchen.

Denn Wissenschaft erklärt uns, was notwendig ist. Politik schafft die Rahmenbedingungen. Die Kirchen aber erinnern uns daran, warum wir handeln müssen. In diesem Sinne hatte ich mich im April auch bei einem Besuch der EVP-Gruppe des EU-Parlaments bei Papst Leo XIV. dafür ausgesprochen, die ganzheitliche ökologische Perspektive der Enzyklika Laudato Si’ weiter zu verfolgen.
Europa muss jetzt vorangehen
Europa verfügt über hervorragende Wissenschaft, innovative Unternehmen und eine engagierte Zivilgesellschaft. Wenn wir diese Kräfte zusammenführen, können wir zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen kein Widerspruch sind. Eine echte Kreislaufwirtschaft und eine intakte Natur stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit ebenso wie unsere Unabhängigkeit und Resilienz. Genau dafür möchte ich mich auch weiterhin im EU-Parlament einsetzen.
Mehr Informationen sowie die Links zu den Veranstaltungen finden sich auf meiner Website www.manuela-ripa.eu
Für aktuelle Informationen folgt mir auch auf meinen Social-Media-Kanälen:
Facebook | LinkedIn | Instagram | Bluesky | Mastodon | YouTube







