Wichtiger als Naturschutz ist für unsere Regierung der Bau und Ausbau von Straßen. – Foto: JamesQube/pixabay.com

Kompass Orange

Arche Noah?

Wunderbar hat er das gesagt: „Die Region versinnbildlicht den Wandel vom Todesstreifen zum Lebensband.“ Ja, Markus Söder kann auch Philosoph! Und wer würde sich nicht über ein gemeinsames Naturschutzprojekt mitten in Deutschland freuen? Was die großen Naturschutzverbände seit der Wiedervereinigung nicht nur gefordert, sondern Stück für Stück aufgebaut haben, wurde mittlerweile zum 1.400 km langen Biotopverbund. Und jetzt wird man die Sache noch weiter qualifizieren: Ein „Arche-Noah-Projekt“ habe man vor, sagte der Bayerische Umweltminister Glauber.

Rund 1 Mio. Euro will man für die Planungsphase aufwenden, kündigte die Staatssekretärin Hagedorn aus dem Bundesumweltministerium an – 75% vom Bund, 15% von den drei Bundesländern Bayern, Sachsen und Thüringen sowie 10% vom Naturschutzverband BUND. Wenn ich richtig rechne, wird sich Bayern also erst einmal mit 50.000 Euro an der Arche-Noah beteiligen, während der bürgerschaftliche BUND das Doppelte einsetzt. Na ja.

Noch einmal: Das „Grüne Band“ ist wunderbar. Wer sich nicht darüber freut, ist kein Naturfreund. Ich meine jedoch, dass sich Politiker beim Feiern solcher Projekte sehr zurückhalten sollten. Unter den Schlagworten „Bürokratieabbau“ und „Beschleunigung“ werden jetzt die Möglichkeiten der Naturschutzverbände massiv eingeschränkt. Künftig soll nicht wieder „irgendein Käfer oder eine Fledermaus“ eine neue Autobahn, ein neues Industriegebiet oder die Bebauung einer bisherigen „Brachfläche“ verhindern. Auch für die Pestizidindustrie und ihre Kundschaft soll das Leben leichter werden, indem Gift-Zulassungen lockerer gehandhabt und dauerhaft garantiert werden.

Wir werden mit „Arche-Noah“-Projekten die biologische Vielfalt nicht erhalten können. Die in einer Industriegesellschaft zwanghaft ansteigende, intensive Nutzung von Räumen durch den Menschen hat fatale Folgen: Nahezu täglich werden bestehende „Lebensbänder“ durch menschliche Investitionen für viele Pflanzen-, Insekten-, Vögel-, Reptilien- und Säugetiergesellschaften zu „Todesstreifen“.

 


 

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