Menschen haben sehr unterschiedliche Schicksale, Interessen und Bedürfnisse. – Bild: u_95az0wyc1s /pixabay.com

Kompass Orange

Wer ist gemeint?

„Für mich wird immer der Mensch im Mittelpunkt stehen“, sagen Politiker aller Richtungen gerne, wenn sie nach ihren weltanschaulichen Einstellungen gefragt werden. Was so sympathisch und selbstverständlich klingt, ist dreifach problematisch:

Zum einen hat „der“ Mensch als Frau, Mann, Aktionär, Mitarbeiterin, Obdachloser, Mieterin, Migrant, Verfassungsfeind, Rentnerin, Kind usw. sehr unterschiedliche Interessen. Politik findet sich daher sehr oft in der Problemlage, den einen etwas zumuten oder wegnehmen zu müssen, um den anderen helfen zu können. Wer steht jetzt im Mittelpunkt?

Zum zweiten wissen wir mittlerweile aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sehr genau, dass wir Menschen von einigermaßen stabilen natürlichen Gegebenheiten – Pflanzen, Tiere, Atmosphäre, Böden, Wasser – abhängig sind. Diese Gegebenheiten sind nicht „nice-to-have“. Sie sind vielmehr Voraussetzung für gutes, menschliches Leben.

Vor allem aber: Die belebten Teile dessen, was wir Umwelt nennen, haben unabhängig vom Nutzen für den Menschen ihren Eigenwert, vielleicht sogar ihre Würde. Dürfen die ökologischen Gegebenheiten deshalb vielleicht auch hin und wieder im Mittelpunkt stehen?

Und zum dritten besteht sehr oft ein großer Unterschied zwischen den Interessen der aktuell lebenden Menschen und den nach uns kommenden. Die Versuchung ist groß, die Interessen der Späteren zu verdrängen, die sich ja nicht lautstark in den direkten oder medialen Bürgerdialog mit politischen Entscheiderinnen und Entscheidern einmischen können.

Wer ist also gemeint, wenn die Maxime „Mensch im Mittelpunkt“ vorgetragen wird? Politik im 21. Jahrhundert wird sehr oft Entscheidungen treffen müssen, die „dem Menschen“ aktuell nicht gefallen, aber wirksam die ökologischen Grundlagen sichern, Tiere und Pflanzen achten und die Lebenschancen künftiger Generationen erhalten.

 


 

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