Leserbrief zur ÖkologiePolitik 202 „Wasser“
22. Juni 2026
Karl Tutsch aus 94081 Fürstenzell schreibt:
Das Thema Wasser wurde ausführlich beschrieben. Hinzuzufügen ist noch der Bereich des natürlichen Wasserkreislaufs, beginnend mit dem Regen, Wasserversickerung und (Zwischen-)Abfluss, Grundwasserbildung und Verdunstung sowie Wolkenbildung. Zunehmende Starkregenereignisse bewirken in Kombination mit der Entwässerung der Landschaft immer häufiger Hochwasserextreme. Dies hat Einfluss auf die Grundwasserbildung sowie die Hitzebildung. Diese drei Bereiche hängen stark mit der Beschaffenheit der Landfläche zusammen. Es hat große Auswirkung wie stark Flächen besiedelt sind, ob draußen auf der Flur abwechslungsreicher Bewuchs oder großflächig blanker Boden vorhanden sind. Folglich hat die Landwirtschaft, die die Hälfte der Landesfläche bewirtschaftet, eine sehr wichtige Rolle bei der Regulierung des Wasserkreislaufs.
Hochwasser mit großen Folgeschäden tritt in den letzten Jahren immer öfter auf und wird sich laut Vorhersagen weiter beschleunigen. Starkregen mit 100 Liter und mehr treten schlagartig in begrenzten Gebieten auf. Diese Wassermassen fließen aus dem Wald und den Fluren in Straßengräben und Bächen ins tieferliegende Tal. Kleine Flüsse werden zu reißenden Ströme und führen in Ortschaften und Städten zu Katastrophen. Deshalb wäre es wichtig, dass möglichst viel Regenwasser direkt in der Landschaft, also in den Böden, der Vegetation, in Gewässern oder gar Auffangmulden zurückgehalten wird. Dies ist eine wichtige Aufgabe für die Kommunen aber auch jeden einzelnen Flächenbesitzers. In der Landbewirtschaftung sollte der Wasserabfluss durch Bearbeitung quer zum Hang, Wechsel von Feldfrüchten, Zwischenfruchtanbau, Anwendung von Mulchsaatmethoden etc. gebremst werden. Eine gute Wasserversickerung im Boden – auch Infiltration genannt – ist dabei besonders wichtig und braucht dafür einen tiefgründigen, aufnahmefähigen und lebendigen Boden. Dadurch wird wiederum auch Erosion stark abgemildert und der Verlust von wertvollem Ackerboden reduziert.
Neben dem Hochwasserproblem wird die Grundwasserthematik eine immer größere Herausforderung. Durch den steigenden Wasserverbrauch, die unregelmäßigen Regenmengen und länger anhaltenden Trockenphasen sinken die Grundwasserstände. Starkregen mit viel Oberflächenwasserabfluss sowie Trockenheit mit weitgreifender Austrocknung aller bodenschichten behindern die Grundwasserneubildung. Um den natürlichen Wasserkreislauf zu gewährleisten, sollte möglichst jeder Regentropfen auf dem Land versickern können. Denn nur dadurch wird das lebensnotwendige Grundwasser gebildet. Das Regenwasser braucht Zeit, um auf Flächen mit wasseraufnahmefähigen Böden versickern zu können. Dies gilt nicht nur für die Landwirtschaft sondern auch andere Landnutzungen wie Gewerbe- und Siedlungsflächen.
Der dritte Bereich zum Thema Wasser betrifft die Reduzierung des Hitzeproblems. Die Zunahme der Hitzetage belastet die Gesundheit und fordert zunehmend Menschenleben. Das Pflanzenwachstum und besonders der Anbau von Nahrungsmitteln wird stark eingeschränkt. Auch die Gefahr von Waldbränden nimmt weiter zu. Je trockener die Luft ist, desto heißer wird es. Der Boden hat auf der gesamten Erdfläche Wasser verloren, vor allem durch Waldrodung und Wegleiten in Kanäle und Gräben. Deshalb ist es ganz wichtig, dass viel Wasser in den Boden versickert, damit es Pflanzen beim Wachstum zur Verfügung steht und zugleich durch Verdunstung die Luft gekühlt wird. Etwa 50 bis 60 % dies hiesigen Niederschlags stammt aus dem über Festland verdunstetem Wasser. Entsprechend wirkt sich die sog. Evapotranspiration (Summe der Verdunstung aus Boden und Pflanzen) direkt auf die Regenmenge aus, führt der Biologe Tobias Windmaißer aus. Es ist also durchaus möglich das lokale Wetter bzw. langfristig auch das lokale Klima zu beeinflussen.
Die Landwirtschaft begünstigt durch das Bereitstellen von lebendigen schwammartigen Böden den Wasserkreislauf positiv auf der Fläche und in der Tiefe. Eine gute Voraussetzung zur Wasserversickerung bieten Regenwürmer mit ihren tiefen Röhren. Deshalb gelten viele Regenwürmer als Indikator für einen guten lebendigen Zustand des Bodens.
Bodenverdichtungen und große, unbewachsene Ackerflächen beschleunigen Wasserabfluss und Erosion mit Verlust von wertvollem Ackerboden. Schon bei 20 Milliliter Regen kann man beobachten, dass Wasser aus dem Feld, insbesondere bei Maisflächen, abfließt. Andererseits versickern in großporigen Böden beim Wasserversickerungstest über 100 Liter Wasser pro qm in einer Stunde und das auch bei schweren Lehm- und Tonböden. Daran kann man ersehen, dass es große Unterschiede in der Bewirtschaftung der Ackerböden gibt, die sich auf die Infiltration des Wassers auswirken. Beispiele aus Forschung und landwirtschaftlich Praxis zeigen wie mit tiefwurzelnder Zwischenfrucht, vielerlei Feldfrüchte, Agroforst-Streifen und Hecken die Infiltrationsleistung des Bodens gesteigert wird. Diese ackerbaulichen Maßnahmen werden in der regenerativen Landwirtschaft und teilweise im ökologischen Landbau praktiziert und erfolgreich umgesetzt. Besonders ein hoher Humusgehalt ist für die Wasser- und CO2-Speicherung von großer Bedeutung und hat positiven Einfluss auf unser Klima. 1% mehr Humus speichert bis zu 40 Liter Wasser pro qm.
Wie das Thema Wasser mit Boden und Landschaft zusammenhängt wurde von vielen Fachleuten ausführlich erforscht und beschrieben.
Laut Prof. Dr. Dietmar Schröder, Geowissenschaften-Bodenkunde, muss Hochwasserschutz auf dem Land beginnen, nicht erst im Tal – „dort ist es zu spät“. Er plädiert dafür, die Landwirtschaft gezielt in den Hochwasserschutz einzubinden.
Der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Karl Auerswald erklärt, dass die Landnutzung an so vielen Stellen massiv in den Wasser- und Energiehaushalt eingreift. Er spricht von einem parallel verlaufenden, „landnutzungsgetriebenen Klimawandel“, also einer Verstärkung der Klimaerwärmung durch Landnutzungsänderung. Durch die immer schwereren Radlasten der Landmaschinen werden die Böden so sehr verdichtet, dass wenig Wasser versickert. Auch Auerswald unterstreicht die gute Wirkung von Hecken und Forststreifen auf das lokale Klima.
Der Physische Geograf und Permakultur-Designer Stefan Schwarzer stellt fest, dass mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe gestärkt werden und das Klima gekühlt wird. Bei genug Wasser im Boden und reichen Pflanzenaufwuchs kühlt die Temperatur deutlich ab. Ein großer Baum kühlt an einem heißen Tag so viel ab wie 10 Klimaanlagen, die 400 Liter Wasser am Tag verdunsten.
Der Meteorologe Karsten Schwanke beschreibt naturbasierte Landnutzungslösungen für die Klimakrise und stellt zum Schutz vor extremen Klimarisiken nachstehende Forderungen auf:
– nachhaltige Landnutzung
– nachhaltiges Wassermanagement
– Erhalt biologischer Vielfalt
– Verbesserung der Bodenqualität
Es ist doch sehr bedeutsam, wenn Fachleute beim Themenbereich Wasser und Klima die Aufgaben der Landwirtschaft so in den Mittelpunkt stellen. Die Landwirtschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Milderung der Klimaprobleme leisten. Der Mehraufwand an Arbeit und Material sollte jedoch kostendeckend honoriert werden, denn es ist ein Dienst an der Umwelt und der gesamten Gesellschaft. Es ist kostengünstiger draußen in der freien Landschaft den immer stärker werdenden Wasser- und Klimaproblemen zu begegnen, als in den Kommunen die Hochwasserschäden zu begleichen und teure Schutzmauern zu erstellen – wenngleich man vielfach auch darum nicht herumkommt. Auch die Politik und landwirtschaftlichen Beratungsstellen sind dazu aufgefordert alle Maßnahmen zu einem besseren Wassermanagement in der Landwirtschaft zu unterstützen, auch finanziell durch Programme und Förderungen. Die immer öfter auftretenden Extremwetter erfordern ein rasches Handeln.
Wenn sich Landwirte durch die z.T. rasch ändernden Anforderungen an die Wirtschaftsweise überfordert fühlen oder ablehnend eingestellt sind, sollten sie bedenken, dass dabei um den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Ertragsstabilität trotz Wetterextreme geht. Natürlich kann sich jeder Landwirt frei entscheiden wie er seinen Boden bewirtschaftet. Allerdings sollte er den Artikel 14 Absatz 2 im Grundgesetz beachten. Dort heißt es: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Schutz vor Extremwetter geht nur gemeinsam, das ist auch der Landwirtschaft bewusst und diese wird sich der Aufgabe stellen.
Eine möglichst naturnahe Landwirtschaft in Anlehnung an den Ökolandbau fördert den natürlichen Wasserkreislauf. Mit einer Vielfalt von Pflanzen Hecken und Bäumen entsteht eine bunte, abwechslungsreiche Landschaft, die auch ein großer Gewinn für Natur und Umwelt sowie für die unverzichtbare Artenvielfalt und Biodiversität ist.


