Warum?
19. Juni 2026
Man hat mich gefragt, warum auch „im Süden und Westen“ die AfD gewählt wird. Meine Antwort: Wir erleben den Rückschlag des Pendels zu 5 Einstellungen, die sich in den letzten Jahrzehnten verbreitet hatten:
– Rechte und Chancen für Frauen, Abkehr von einem auf Härte und Dominanz ausgerichteten Männerideal
– Ökologische Verantwortung, Orientierung an wissenschaftlichen Aussagen
– Abscheu vor Nationalismus und Rassismus, Ja zur europäischen Einigung, Anerkennung berechtigter Interessen aller Länder und Menschen
– Respektierung von Gefühlen und Bedürfnissen
– Chancengerechtigkeit und Inklusion für Menschen mit Einschränkungen
Wer das alles nicht so toll fand, bekommt jetzt von der AfD unverhohlen ein Angebot: „Bei uns bist du richtig und wirst nicht mit Korrekturforderungen belästigt. Bei uns gilt, was früher selbstverständlich und normal war: Männer herrschen, Härte statt Kuscheln, Vorrang für Stärke und Kraft, Klima ist Quatsch, Deutschland zuerst.“
Die These, dass der Rechtsextremismus wegen der Schwäche anderer Parteien erstarkt, reicht nicht. Die Zögerlichkeiten der letzten und der aktuellen Bundesregierung mögen den Trend verstärken – die Ursachen für die Gefährdung unserer Demokratie sind meiner Meinung nach aber anderswo zu finden: Viele Menschen haben ethische Verankerungen religiöser oder philosophischer Art verloren und suchen Ersatz.
Leider sind dabei auch Konzepte „von früher“ wieder attraktiv. Mit besserer Politik – so nötig sie ist – wird man die giftigen Quellen alt-neuer Sinnkonzepte nicht austrocknen können.
Nationalismus, Wissenschaftsfeindlichkeit, Geschlechterkampf, Respektlosigkeit und der Kult um Macht und Muskelmasse haben schon sehr viel Unheil verursacht. Wir dürfen uns respektvollen Umgang, Fairness, Menschenwürde und internationale Zusammenarbeit niemals wieder „abgewöhnen“. Das alles gehört zum guten Leben in einer Demokratie.
Wer anderes behauptet, verdient klaren Widerspruch – notfalls auch von Freund zu Freund. Wer schweigt, stimmt zu.


