Mit Mehrwert-Garantie
15. Mai 2026
Positive Wachstumszahlen sind derzeit ja eher knapp. Hier in den Kompass-Texten wird zudem eher kritisch mit dem Begriff „Wachstum“ umgegangen. Jetzt ist das mal anders: Dass die „3-Mrd.-Grenze beim Umsatz geknackt wurde“ freut mich vorbehaltslos, denn dabei handelt es sich um die Bilanz der Fairtrade-Organisation für Deutschland. Sie zertifiziert Produkte, vergibt das bekannte Logo und sorgt dafür, dass zusätzlich zum garantierten Festpreis den Erzeugerinnen und Erzeugern im globalen Süden noch Investitionsprämien gezahlt werden können. Ein sinnvoller Kapitaltransfer. Wen sollte Wachstum hier nicht freuen.
3,1 Mrd. Euro klingt gut. 9 % Umsatz-Plus gegenüber dem Vorjahr kann sich auch sehen lassen. Und doch wurden 2025 in Deutschland pro Kopf nur rund 38 Euro für Produkte mit der „Mehrwert-Garantie“ ausgegeben: Bananen, Kaffee, Tee, Schokolade und vieles andere. Da ginge wohl noch deutlich mehr …
Während sich heute auch große Discounter als Partner des fairen Handels präsentieren, sträuben sich führende Markenhersteller. Vor allem in der Schokoladenecke – Namen seien hier nicht genannt – meint man offenbar, dass hohe Qualität auch ohne ethisches Argument am Markt bestehen kann.
Genau hier werden die Grenzen der Fairtrade-Bewegung sichtbar: So schön ein 3-Mrd.-Erfolg auch ist, so vergleichsweise klein bleibt diese Zahl, wenn man die Gesamtumsätze im Lebensmittelhandel von rund 250 Mrd. daneben stellt. Die Lösung ist bekannt, sie hatte schon einmal Konjunktur, wird aber derzeit wieder abgeschwächt und in Frage gestellt: Der Welthandel braucht gesetzlich festgelegte, ethische Mindeststandards in den gesamten Lieferketten.
Jede ehrliche Arbeit hat überall ein selbstverständliches Recht auf existenzsichernde Bezahlung. Jeder Kauf eines Fairtrade-Produktes nutzt. Aber er sollte begleitet sein vom Einsatz für gute Politik.

