Gehört das Christentum zu Deutschland?


Wie lange wird das Christentum noch zu Deutschland gehören? Hat das Christentum jemals zu Deutschland gehört? Angesichts der großen Bewährungsproben des vergangenen Jahrhunderts muss man leider sagen: Eine christliche Opposition zur Kriegsbegeisterung 1914 und eine massenhafte Erhebung der Christengemeinden gegen den mörderischen Rassismus der Nazi-Bewegung hat es nicht gegeben. Umso beeindruckender ist das Zeugnis derjenigen, die ihr Glaube zu dieser lebensgefährlichen Opposition geführt hat. Sie wussten, dass sie dafür bezahlen müssen – mit dem Verlust ihrer „bürgerlichen Existenz“ und oft genug auch mit ihrem Leben.

Die Erinnerung an Beispiele echten Christentums gehört für mich zum Osterfest: Echtes Christentum ist Karfreitagsreligion indem es das tödliche Scheitern beim Einsatz für Würde und Menschenrecht in Erwägung zieht. Echtes Christentum ist aber vor allem auch Osterreligion, weil es mit mehr als dem Sterben rechnet und deshalb alles wagt.

Ich hoffe sehr, dass das Christentum in Deutschland nicht verschwindet. Es ist nicht so sehr durch eine andere Religion bedroht, wie manche behaupten. Es ist durch seine Missdeutung als ein System angepasster Bürgerlichkeit oder gar als Ideologie der politischen Rechten bedroht. Echtes Christentum wird angesichts der Lage in der Welt dringend gebraucht.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern den Zugang zur Osterfreude – trotz all der täglichen Karfreitags-Nachrichten.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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