Protestierten gegen die Verleihung des EMAS-Zertifikats an Tesla (von links): Steffen Schorcht und Manu Hoyer vom VNLB e. V. neben Thomas Löb vom ÖDP-Kreisverband Oder-Spree. Foto: Barbara Hoyer
Protestierten gegen die Verleihung des EMAS-Zertifikats an Tesla (von links): Steffen Schorcht und Manu Hoyer vom VNLB e. V. neben Thomas Löb vom ÖDP-Kreisverband Oder-Spree. Foto: Barbara Hoyer

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Greenwashing in Grünheide

Im Herbst demonstrierte der ÖDP-Kreisverband (KV) Oder-Spree gemeinsam mit dem Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg e. V. (VNLB) vor dem Gelände der Tesla-Fabrik anlässlich der Verleihung des EMAS-Zertifikats („Eco-Management and Audit Scheme“) an den Elektroautobauer. Eine ursprünglich gegen Greenwashing konzipierte EU-Urkunde droht hier zur Aushöhlung ohnehin schwacher behördlicher Kontrollmechanismen zu werden und als reines PR-Instrument zu dienen. Besonders problematisch erscheint die Rolle des französischen Prüfungsbüros GUTcert. Das Wassermonitoring liegt bereits in den Händen von Tesla: Der Wasserverband Strausberg-Erkner verfügt weder über Mitspracherechte noch über die Möglichkeit eigener, unabhängiger Messungen. Angaben zu Schadstoffen im Abwasser werden unter Verweis auf Betriebsgeheimnisse geschwärzt und die Prüfberichte bleiben für externe Kontrollen unzugänglich.

 

Ein Klima permanenter Einschüchterung

Beschäftigte berichten von enormem Leistungsdruck, zahlreichen Arbeitsunfällen, einem Klima permanenter Einschüchterung und Pausen, die kaum für den Gang zur Toilette reichen. Hinzu kommen Hausbesuche bei Krankmeldungen. Länger erkrankte Beschäftigte werden zur „freiwilligen“ Unterzeichnung von Aufhebungsverträgen gedrängt oder ihnen wird ohne rechtliche Grundlage die Lohnfortzahlung verweigert. Das „Security Intelligence Team“ dient nicht der Sicherheit, sondern der Aufspürung vermeintlich undichter Stellen. Mitarbeitende werden als Faulenzer und Simulanten beschimpft und Musk selbst bezeichnet IG-Metall-Mitglieder als „Spione“ der deutschen Autoindustrie. Die anstehenden Betriebsratswahlen mit Investitionsentscheidungen zu verknüpfen, sehen wir besonders kritisch. Der Werksleiter erklärte hierzu laut „Handelsblatt“ (16.12.2025): „Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Elon, dass unser Board sich für den Ausbau der Fabrik entscheiden würde, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“ Tesla-Beschäftigte benötigen laut IG Metall 21-mal so häufig Rechtsschutz wie der Durchschnitt. Das Unternehmen importierte eine „Ultra-Hardcore“-Kultur, die wir im Widerspruch zur deutschen Vorstellung von guter Arbeit sehen. Hinzu kommt Musks offener Wahlkampf für die AfD auf seinem X-Account.
Dennoch erhält Tesla politische Rückendeckung. Wenn Ex-Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) Beschäftigten nahelegt, sie sollten „dankbar“ sein und sich bewusst machen, „in welcher Oase“ sie arbeiteten, verkennt er die Realität vieler Arbeitnehmer und das problematische Handeln ihrer Chefs.

 

Erschreckende Daten eines Whistleblowers

Vor diesem Hintergrund luden wir für den 21. Januar zu einer Lesung mit Investigativjournalisten vom „Handelsblatt“ nach Erkner ein. Ihr Buch „Die Tesla Files“ basiert auf 100 Gigabyte interner Daten eines Whistleblowers und dokumentiert u. a. Tausende Beschwerden über Teslas Fahrassistenzsystem: Phantombremsungen, Selbstbeschleunigungen und über 1.000 Unfälle durch den „Autopiloten“. Aufgrund tragischer Sicherheitsmängel verbrannten Tesla-Insassen zuletzt auch in Brandenburg, weil sich ihre Fahrzeuge von alarmierten Feuerwehrkräften nicht öffnen ließen.

 


Weitere Informationen:

Pressemitteilung der ÖDP Brandenburg vom 01.09.2025
Grünes Siegel, schmutzige Praxis – ÖDP kritisiert Greenwashing von Tesla

Pressemitteilung der ÖDP Brandenburg vom 15.12.2025
Lesung und Diskussion mit Investigativjournalisten in Erkner: Die Tesla Files, 21. Januar 2026, 18:00 Uhr

 


 

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