Rechte der Natur stellen „die Welt vom Kopf auf die Füße“
13. April 2026
Auch die ÖDP hat per Parteitagsbeschluss die Rechte der Natur formell anerkannt. Die Partei ist damit Teil einer langsam wachsenden Strömung: Der Natur soll ein eigener Rechtsstatus zuerkannt, sie dadurch noch besser vor menschlicher Zerstörung bewahrt werden.
Unter Juristen bleibt das Vorhaben, das von der Wertevorstellung vor allem einiger Indigener inspiriert und beeinflusst ist, nicht ganz ohne Widerspruch. Dieser – aus meiner Wahrnehmung dann doch eher akademische – Zwist unter Rechtswissenschaftlern ist eine spannende Gedankenschulung. Wichtig bei der Diskussion um die Rechte der Natur erscheint mir freilich, dass es hierbei im Kern um nicht weniger als ein echtes Umdenken geht: weg vom anthropozentrischen Weltbild. Das nämlich muss sich – endlich und auf ein Neues – weiten. Wir müssen als Mitglieder der Spezies Homo sapiens erkennen und vor allem akzeptieren, dass wir als Menschen lediglich Teil eines großen Gesamtgefüges im Kosmos, aber keineswegs dessen Kern sind.
Unser Denken muss sich wandeln. Auf so vielen Gebieten müssen wir umkehren, offener werden: Der Paradigmenwechsel lohnt sich. Wir könnten Konflikte eher und wahrscheinlich besser lösen, wenn wir lernten, Interessen anderer – nicht nur von Menschen, sondern auch der Tiere, Pflanzen und ganzer Ökosysteme – stets in unsere Überlegungen einzubinden und vollkommen ebenbürtig mit abzuwägen – auch wenn dies ab und an gegen unsere wirtschaftlichen Profitinteressen stünde. Unsere Welt könnte friedlicher werden, wenn wir einen Grundsatz aus der Regel des Ordensgründers Benedikt beherzigten und uns an keinem Abend ins Bett legten, ehe wir die Missverständnisse, die wir im Laufe eines Tages mit anderen hatten, im friedlichen Austausch wenigstens angesprochen und bestenfalls ausgeräumt hätten. Toleranz, Akzeptanz und Respekt bekämen in unserem Leben einen neuen Stellenwert, wenn wir die Idee, die hinter der Forderung eines Eigenrechtsstatus für die Natur steht, zur Basis unseres Lebens, Handelns, Wirtschaftens und Konsumierens – vor allem jedoch unseres Denkens – machten.
Heute meist eher abstrakt geführte Debatten über (Klima-)Gerechtigkeit, Ausbeutung, Sozialisierung von Umweltlasten, Teilhabe und Verantwortung blieben dann nicht mehr nur leere Worthülsen. Wir würden sie auf der Grundlage echten Verständnisses und von Achtsamkeit führen. Das würde „die Welt, wie wir sie heute kennen, auf den Kopf stellen“, oder – je nach Erkenntnisstand – noch viel besser: „auch vom Kopf auf die Füße“. Nutzen wir also die Chance, die im formalen Parteitagsbeschluss steckt, die Rechte der Natur anzuerkennen und entdecken wir, was wir als Menschen über diesen rein bürokratischen Akt der Beschlussfassung hinaus daraus an Erkenntnis ziehen (können).







