Energie-Autarkheit nicht sinnvoll, Holzbau schon

In Holzbauweise errichtete Wohnanlage im Wiener Stadtteil Seestadt Aspern – Foto: Günther Hartmann

Beim Thema „Energieeffizienz im Gebäudebereich“ ist der Blick immer noch auf die Senkung des Heizenergiebedarfs verengt. Ehrgeizige Bauherren streben manchmal sogar eine autarke Energieversorgung an. Dass dies aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist, weist nun eine Forschungsstudie des Umweltbundesamts (UBA) nach.

Bei einer ganzheitlichen energetischen Betrachtung von Gebäuden muss auch der Energieaufwand für die Herstellung, Instandhaltung und das Lebensende der Gebäudeteile berücksichtigt werden: die sogenannte „graue Energie“. Die ist bei energieautarken Gebäuden deutlich höher als bei konventionellen. Der Mehraufwand für energieautarke Gebäude ist weder aus Kostengründen noch durch Senken der CO2-Emissionen zu rechtfertigen, sagt die Studie. Viel sinnvoller ist die Verwendung von Holz als Baustoff. „Das mit Abstand höchste Energieeinsparpotenzial liegt in einer Holzkonstruktion mit nachwachsendem Dämmstoff“, heißt es auf S.42. Und auf S.51 über Mehrfamilienhäuser: „Die … Holzbauweise führt … zu einer Reduktion von insgesamt 70 % der CO2-Emissionen in der Herstellungsphase gegenüber einer Ausführung in Massivbauweise.“ Bei den Empfehlungen für Planer und Gebäudeeigentümer wird am Kapitelanfang auf S.120 die Maßnahme „Neubau in Leicht-/Holzbaubauweise“ betont und dann etwas später auf S.122 festgestellt: „Im Neubau von Ein- oder kleinen Mehrfamilienhäusern sind … Alternativen zur konventionellen Massivbauweise gefordert. Das Potenzial CO2-Emissionen durch Leichtbau- oder Holzbauweisen zu senken ist je nach Region mit keinen Mehrkosten verbunden.“
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Onlinetipp

Umweltbundesamt (Hrsg.)
Texte 132/2019
Energieaufwand für Gebäudekonzepte im gesamten Lebenszyklus
Abschlussbericht, Oktober 2019
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/energieaufwand-fuer-gebaeudekonzepte

 

Günther Hartmann

Günther Hartmann

Jahrgang 1965, studierte Architektur und war nach dem Diplom zunächst in verschiedenen Architektur- und Stadtplanungsbüros tätig. Seit 2008 arbeitet er hauptberuflich als Journalist. In die ÖDP trat er 1998 ein und ist seit 2006 Verantwortlicher Redakteur der ÖkologiePolitik.

 

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