Hoffnung

Meine erwachsene Tochter hat mir einen guten Vorschlag für diese Adventszeit gemacht: „Lesen wir doch zusammen ein Buch und reden dann drüber.“ Ihr Vorschlag, Heribert Prantls „Die Kraft der Hoffnung“ anzupacken, wurde von mir gerne akzeptiert. Mittlerweile ist zwar erst das Vorwort gelesen, aber das Projekt hat sich schon gelohnt: Ich habe ein Zitat von Vaclav Havel wiedergefunden, das mich schon vor Jahren, beim erstmaligen Lesen, ergriffen hatte: „Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

So gesehen ist Hoffnung das Gegenteil von „positivem Denken“ als psycho-magischem Erfolgsrezept. Sie ist das Gegenteil von fröhlich-hedonistischer Problemverdrängung. Sie hat auch nichts zu tun mit einer billigen Religiosität, die das Lösen der Probleme gerne an himmlische Mächte abgibt. Havels Hoffnung macht Mut, jenseits aller Erfolgserwartungen das zu vertreten, was man als sinnvoll erkannt hat.

Ich bin auf die weitere Adventslektüre gespannt.

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

Weitere Beiträge von

 

Email: buesuttner@aol.com