Die Hendricks-Formel


Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendriks hat mit ihrer bewährten Standard-Formulierung auch das G7-Treffen von Taormina bewertet: 6 Nationen hätten sich auf das Konzept „Wohlstand und Klimaschutz“ geeinigt; es sei schade dass die USA noch nicht mitziehen.

Hendricks verwendet – gut sozialdemokratisch – den Begriff „Klimaschutz“ immer im Doppelpack mit „Wohlstand“. Unklar bleibt, was Frau Hendricks unter „Wohlstand“ versteht. Hoffentlich meint sie nicht das, was landläufig darunter verstanden wird: Ständig mehr Konsum, ständig weitere Reisen, immer größere Wohnflächen – das lässt sich wohl nicht vereinbaren mit Klimaschutz, auch wenn das immer mehr Kretschmann-Anhänger und „green-new-deal“-Fans meinen. Die Hendricks-Formel „Wohlstand und Klimaschutz“ würde nur stimmen, wenn wir unter „Wohlstand“ das „gute Leben“ verstehen – ohne materialistischen Hyper-Konsum, ohne Hamsterrad-Pflicht und ohne ständigen Zwang zu mehr und mehr und nie genug. Dieser Wohlstand bräuchte Konzepte des rechten Maßes, der Zurückhaltung und des Gemeinwohl-Vorrangs. Ob das Frau Hendricks wirklich will? Ob die 6 „Guten“ von Taormina diesen Weg beschreiten wollen? Ob die Trump-USA wirklich als einzige abseits stehen?

Ich fürchte, dass es mehr Einigkeit unter den G7 gibt, als uns lieb sein kann…

Bernhard Suttner

Bernhard Suttner

Jahrgang 1949, studierte Politikwissenschaft, Pädagogik sowie Christliche Gesellschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als freiberuflicher Referent in der Erwachsenenbildung. 1978 gehörte er zu den Gründern der „Grüne Aktion Zukunft“, verließ diese 1980 wieder und gründete 1982 die ÖDP mit. Von 1991 bis 2011 war er Landesvorsitzender der ÖDP Bayern. Seit 2011 ist er ihr Fachbeauftragter für Grundsatzfragen.

 

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