Tagung: Ökologiebewegung steht vor Herausforderungen

TeilnehmerInnen der Tagung. Foto: Stiftung für Ökologie und Demokratie e. V.

Im Rahmen einer Tagung am 23./24. September 2016 in der Frankenakademie Schney/Lichtenfels beschäftigte sich die Stiftung für Ökologie und Demokratie e. V. mit den Anfängen, Erfolgen und Zukunftsaufgaben der ökologischen Bewegung in Deutschland.
Dr. Jürgen Wüst, Autor des im Jahre 1993 erschienenen Buches „Konservatismus und Ökologiebewegung“, betonte: „Ende der 70er-Jahre war die Zeit reif für grüne und ökologische Parteien.“ Die Ökobewegung sei vor allem geprägt gewesen durch Hinwendung zu postmaterialistischen Werten. Dazu gehörten auch emanzipatorische Forderungen, ausgelöst durch die 68er-Bewegung. Daraus habe die ÖDP im Gegensatz zu den Grünen kein Potenzial schöpfen können, weshalb die Entwicklung der ÖDP stagnierte.
Mit seinem Vortrag „Die zentrale Persönlichkeit in der Gründungsphase des BUND, der Grünen, GAZ und ÖDP: Dr. Herbert Gruhl“ traf der Stiftungsvorsitzende Hans-Joachim Ritter auf großes Interesse. Er beschrieb Gruhls Werdegang, seine politische Karriere bei CDU, GAZ, den Grünen und der ÖDP sowie als Gründungsvorsitzender des BUND und erfolgreicher Buchautor („Ein Planet wird geplündert. Die Schreckensbilanz unserer Politik“, 1975 u. a.). Für Ritter war Dr. Gruhl ein bedeutender Umweltpolitiker, Philosoph, Vordenker und Bestseller-Autor. Er habe wesentlich zur Entstehung der Umweltbewegung beigetragen. Deshalb empfahl Ritter der ÖDP, sich zu ihrem prominenten Gründer und ersten Bundesvorsitzenden zu bekennen, auch wenn er Ende 1990 die Partei verlassen und am Ende seines Lebens eine völlig resignierte Haltung eingenommen habe.
Prof. Dr. Niko Paech, Universität Oldenburg, Buchautor („Befreiung vom Überfluss“), sprach über das Thema „Weniger ist mehr – Befreiung vom Überfluss“, indem er für eine Postwachstumsgesellschaft und einen kulturellen Wandel mit einer geringeren bezahlten Arbeitszeit, aber mehr Freizeit für sinnvolle, gemeinwohlorientierte Tätigkeiten plädierte.
Unter dem Thema „Was hat sich durch die ökologische Bewegung in Deutschland verändert und was ist ihr künftiger Auftrag?“ referierten Prof. Dr. Joachim Radkau, Historiker an der Universität Bielefeld und Buchautor, und die ÖDP-Bundesvorsitzende Gabriela Schimmer-Göresz. Prof. Dr. Radkau sieht große Visionen der Öko-Bewegung in den Bereichen Naturschutz, Erneuerbare Energien, Effizienz und Suffizienz, auch mit einem globalen Ansatz.
Laut der ÖDP-Bundesvorsitzenden sei das Ziel, die Ökologie zur Leitidee zu machen, weit verfehlt worden. Über 40 Jahre sei die Plünderung des Planeten mit zunehmender Geschwindigkeit fortgesetzt worden. Ein Ende sei nicht in Sicht. Die Stabilisierung der ökologischen Systeme als Voraussetzung für gutes Leben und Gemeinwohl bleibe eine zentrale Aufgabe. Wenn eine globale ökosoziale Gemeinwohl-Initiative nicht gelinge, seien die Konflikte und Völker-Wanderungen von heute nur ein leises Vorspiel einer dramatischen und bestimmt nicht friedlichen neuen Epoche der Menschheitsgeschichte, erklärte Gabriela Schimmer-Göresz.

Pablo Ziller

Pablo Ziller

Jahrgang 1984, ist Diplom-Politologe und leitet seit 2014 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ÖDP und ist als Stellv. Verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift ÖkologiePolitik verantwortlich für den Onlineauftritt des Magazins.

 

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