Für eine nachhaltige Stadtentwicklung in Heidenheim
30. März 2026
Am nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb liegt in einer Talweitung der Brenz, einem Nebenfluss der Donau, die Stadt Heidenheim. Seit Juni 2024 ist die ÖDP mit der Ärztin Dr. Elsge Schrade im Gemeinderat dieses Mittelzentrums mit einem Sitz vertreten. ÖkologiePolitik hat sie zu ihrem Engagement interviewt.
ÖkologiePolitik: Wie viele Mandatsträger haben Sie als Kreisverband/Ortsverband derzeit? Und seit wann?
Dr. Elsge Schrade: Ich bin seit 06/2024 einzige und erstmalige ÖDP-Stadträtin im Gemeinderat der Stadt Heidenheim. Im Kreistag des Landkreises Heidenheim war die ÖDP seit mehreren Legislaturperioden mit 1–2 Mitgliedern vertreten, aktuell mit einem.
Wie haben Sie das geschafft?
Die ÖDP hat im Landkreis Heidenheim in den beiden Gemeinden Dischingen und Gerstetten zwei aktive Ortsverbände. Dort sitzen je zwei Vertreter im Gemeinderat. In Heidenheim selbst gab es bislang keinen Ortsverband. Bei den letzten Kommunalwahlen im Juni 2024 konnte die ÖDP erstmals eine eigene Kandidatenliste für den Gemeinderat der Stadt Heidenheim aufstellen und war zumindest mit einem Sitz (von 35) erfolgreich.
Was haben Sie in der aktuellen Legislaturperiode erreicht?
Ich bin in Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen, gemeinsam haben wir 7 Sitze, gleichauf mit der SPD/Linke-Fraktion und in der Minderheit gegenüber CDU/FDP (9 Sitze) sowie den Freien Wählern (FW, 9 Sitze), dazu 2 AFD-Sitze und 1 DKP-Sitz. Unser Oberbürgermeister ist parteilos, aber SPD-nahe.
Wir haben gemeinsam mit der SPD und den FW die Umsetzung des Lärmaktionsplans beschlossen, der eine Tempo-30-Begrenzung auf den beiden durch die Innenstadt führenden Bundesstraßen und ihren Parallelstraßen beinhaltet. Die CDU hat zwar nochmals eine Verzögerung bewirkt, sie kann die Umsetzung aber nicht verhindern.
Wir haben beschlossen, die – vor allem wegen der Kanalisation notwendige – Sanierung der Innenstadt nach Hitzeschutzkriterien mit viel Grün und einem Schwammstadtkonzept in Angriff zu nehmen. Dazu wurde aktuell die Fußgängerzone probeweise um einen Straßenzug erweitert.
Schon in der vorherigen Legislaturperiode wurde ein Radwegekonzept erstellt, was aktuell schrittweise umgesetzt wird. Wir versuchen uns da weiter konstruktiv einzubringen.
Eine Freiflächen-PV-Anlage in einem städtischen Teilort, die aktuell im Bau ist, haben wir mit beschlossen.
Was ist unter einem Schwammstadtkonzept zu verstehen und inwiefern kann Heidenheim davon profitieren?
Durch vermehrte Pflanzung von Bäumen und Sträuchern auf wasseraufnehmendem, granulathaltigem Untergrund soll die Gefahr von Überschwemmungen nach Starkregen verringert werden. Außerdem hofft man, dass sich durch die Verdunstung aus dem Granulat und den Pflanzen die Luftqualität verbessert und dass für Abkühlung gesorgt wird. Der Heidenheimer Rathausplatz ist bislang großflächig gepflastert. Hier soll durch die Neugestaltung mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden.

Welche aktuellen Themen bewegen Sie und die Stadt außerdem?
Mir persönlich ist der geplante Stadionausbau des FCH [Fußballclub 1. FC Heidenheim, die Redaktion] auf dem Schlossberg ein großes Ärgernis. Dieses gigantomanische Vorhaben mit geplanten 23.000 Zuschauerplätzen (bisher 15.000 Plätze, bei einer Einwohnerzahl von 50.000!), zwei Parkhäusern, einer Fußgängerbrücke und Rodung von 3,5 Hektar Stadtwald war auch der Auslöser meiner Kandidatur für den Gemeinderat.
Können Sie sich als ÖDPlerin da einbringen und profilieren?
Ich habe mit nahezu allen Beteiligten gesprochen, mehrere Einwendungen an Stadt, FCH, Regierungspräsidium etc. geschrieben. Es gab viele Alternativvorschläge, die kein Gehör fanden, eine Bürgerinitiative hat inzwischen aufgegeben. Leider wird allein ein Abstieg aus der ersten Liga vielleicht die Pläne noch stoppen können, bislang sieht es nicht danach aus.
Welche Themen werden vermutlich künftig wichtig sein?
Ich möchte mich für eine kommunale Energiewende der Stadt Heidenheim einsetzen. Die Stadt ist allerdings wie die meisten Kommunen klamm bei Kasse. Mehr Geld könne nur durch Ausweisung neuer Gewerbegebiete generiert werden, sodass aktuell auch ein neues Gewerbegebiet im Süden der Stadt gebaut werden soll, trotz aller Warnungen vor weiterem Flächenfraß. Der Gemeinderat hat leider mehrheitlich dafür gestimmt.
Haben Sie vor, sich da zu profilieren?
Gemeinsam mit der Grünenfraktion haben wir angeregt, dass Bürgerbeteiligungsmodelle für Photovoltaik- oder Windkraftanlagen geschaffen werden, bislang jedoch ohne konkrete Projekte. Wir verfolgen auch die Umsetzung des Wärmeplans der Stadt und setzen uns für ein Nahwärmenetz für die Innenstadt ein.


