Große Einsparpotenziale beim Heizen

Die individuellen Komfortansprüche, das Heizverhalten und das Lüftungsverhalten beeinflussen den Heizenergieverbrauch weitaus stärker, als gemeinhin vermutet wird. – Foto: ri/3 / pixabay.com

Ein oft vorgebrachtes Argument gegen die Einführung einer CO2-Bepreisung lautet: Mieter hätten keine Möglichkeit, ihre dadurch steigenden Heizkosten zu senken. Doch eine vom Wohnungsunternehmen Köhler & Meinzer im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „CRAVEzero“ vorgenommene Untersuchung der Heizenergieverbräuche in seinen Mehrfamilienhäusern beweist das Gegenteil.

Das Verhalten der Bewohner entscheidet ganz maßgeblich darüber, wie hoch der Energieverbrauch letztlich ausfällt. Zwar lag er durchschnittlich tatsächlich nahe an dem, was das der Energieeinsparverordnung (EnEV) zugrunde liegende Berechnungsverfahren vorhersagt, doch beim Vergleich der Wärmemengenzähler in den einzelnen Wohnungen zeigte sich beim Heizenergieverbrauch eine verblüffend hohe Spreizung: um den Faktor 7 zwischen den sparsamsten und den verschwenderischsten Haushalten.

Verantwortungsvolles Nutzerverhalten ist entscheidend

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Untersuchung war: Auch wenn ein Gebäude rechnerisch deutlich über dem sogenannten „Passivhausstandard“ bleibt, also rein theoretisch durchaus noch größere Mengen Heizenergie benötigt, so lässt sich sein tatsächlicher Heizenergieverbrauch von den Bewohnern durch kluges Verhalten fast auf Passivhausniveau senken. Umgekehrt bedeutet das auch, dass der in der Baupraxis meist nur recht aufwendig zu realisierende Passivhausstandard nicht automatisch zu einer deutlichen Senkung des Heizenergieverbrauchs beiträgt, wenn sich die Bewohner konträr verhalten. Dieses Phänomen ist schon länger unter dem Begriff „Rebound-Effekt“ bekannt.

Folgerungen für Energiewende und Klimaschutz

Aus den Erkenntnissen der Studie lassen sich zwei Schlüsse für die Energieeffizienz- und Klimaschutzpolitik für den Gebäudesektor ziehen:

  1. Heizen sollte durchaus deutlich teurer werden, um wirksame Anreize für ein sparsames Verhalten zu geben – vor allem, wenn es hohe  CO2-Emissionen erzeugt.
  2. Der Energiestandard „KfW-Effizienzhaus 55“ ist für das demnächst in Kraft tretende Gebäudeenergiegesetz (GEG) eine sinnvolle Mindestanforderung.

Eine intensive Aufklärungskampagne über kluges Nutzerverhalten beim Heizen und Lüften vorausgesetzt, lässt sich damit tatsächlich auf das von der EU-Gebäuderichtlinie geforderte Niveau „nearly zero energy“ kommen. Und wenn das der Fall ist, dann gilt natürlich: Je geringer der Energieverbrauch und die CO2-Emission beim Heizen sind, desto stärker fallen in der Lebenszyklusbetrachtung die bei der Baumaterialherstellung verbrauchte Energie und freigesetzten CO2-Emissionen ins Gewicht. Und desto klarer wird dann, dass künftig nicht bei der Wärmedämmung und bei der Heizungsanlage der Klimaschutz-Hebel anzusetzen ist, sondern bei der Wahl der Baustoffe.

Baustoff Holz: CO2-Bindung statt CO2-Emissionen

Holz besitzt als natürlicher Rohstoff eine gänzlich andere CO2-Bilanz als künstlich hergestellte Materialien. Denn bei seinem Wachstum bindet es große Mengen CO2, statt große Mengen CO2 freizusetzen: Der Baum atmet große Mengen CO2 ein, bildet mit dem Kohlenstoff (C) sein Holz und atmet große Mengen Sauerstoff (O2) wieder aus. Bei der Ernte des Baumes und der Bearbeitung seines Holzes wird nur wenig Energie verbraucht und dadurch wenig CO2 freigesetzt. Das im Holz gebundene CO2 bleibt bei der Nutzung von Holz als Baustoff für weitere Jahrzehnte bis Jahrhunderte gebunden. Zusammen mit nachhaltiger Forstwirtschaft sorgt Bauen mit Holz für die im jüngsten Bericht des Weltklimarates geforderten „negativen CO2-Emissionen“. Und das sofort, nicht irgendwann in ferner Zukunft. Nachhaltige Forstwirtschaft und Bauen mit Holz bilden zusammen ein hocheffektive und hocheffiziente CO2-Speichertechnologie.

Werden beispielsweise Geschosswohnungsbauten in Holzbauweise statt in Massivbauweise errichtet, so wird dadurch pro Person so viel CO2 vermieden, wie bei 30 bis 60 Hin- und Rückflügen von München nach Mallorca pro Person freigesetzt würden. Dieser Vergleich zeigt die Bedeutung, die Bauen mit Holz für den Klimaschutz hat und haben könnte. Denn Klimaschutz kann nur dann erfolgreich sein, wenn man sich nicht im Klein-Klein verzettelt, sondern sich auf die Maßnahmen konzentriert, die tatsächlich eine große CO2-Einsparung bewirken.
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Onlinetipps

Köhler & Meinzer
KfW-Effizienz-Standards – Theorie und Praxis
Februar 2019
www.koehler-und-meinzer.de/presse/

FGZH
Klimagerechtes Bauen – CO2-Wende
Januar 2018
www.stopco2.jetzt/

Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.)
Holger König (Autor)
Lebenszyklusanalyse von Wohngebäuden
Januar 2018
www.t1p.de/q5xy

Ruhr-Universität Bochum
Ressourceneffizientes Bauen
Prof. Dr.-Ing. Annette Hafner
Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden
April 2017
www.t1p.de/w8hz

 

Günther Hartmann

Günther Hartmann

Jahrgang 1965, studierte Architektur und war nach dem Diplom zunächst in verschiedenen Architektur- und Stadtplanungsbüros tätig. Seit 2008 arbeitet er hauptberuflich als Journalist. In die ÖDP trat er 1998 ein und ist seit 2006 Verantwortlicher Redakteur der ÖkologiePolitik.

 

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