„Daseinsvorsorge steht über Kommerzinteressen“
25. März 2026
Wasser spielt in Augsburg seit jeher eine zentrale Rolle. Sein Wassermanagement wurde 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, sein Trinkwasser zählt zu den besten in Deutschland. Aber ist die Grundwassernutzung auch nachhaltig? Das wollte ein Stadtrat wissen.
Interview mit Christian Pettinger
ÖkologiePolitik: Herr Pettinger, Sie stellten 2025 eine umfangreiche Anfrage zur Grundwasserversorgung ans Augsburger Umweltreferat. Warum?
Christian Pettinger: Damals lief gerade die Diskussion über die Einführung eines sogenannten „Wassercents“ in Bayern. Dürrejahre – vor allem in Franken – hatten gezeigt, dass mit dem Klimawandel das Wasser knapp werden kann. Die Staatsregierung reagierte mit der Idee einer Grundwasserentnahmeabgabe. Richtig gemacht, hätte diese zum Wassersparen anregen können. Doch leider hat sich die Staatsregierung von Lobbyisten weichklopfen lassen und riesige Freikontingente für Vielverbraucher wie Getränkeindustrie und Landwirtschaft eingeführt. Und die müssen nicht einmal die entnommenen Wassermengen per Zähler nachweisen. Ich wollte deshalb wissen, wie viel Grundwasser in Augsburg von wem entnommen wird und ob sich diese Entnahmemenge regeneriert.
Wie war die Antwort?
Leider sehr allgemein. Das Umweltreferat verwies darauf, dass sich die Grundwasserpegel im Stadtgebiet seit Jahrzehnten nicht verschlechtert hätten und der Wasserverbrauch pro Kopf zurückgegangen sei. Auch der Wasserverbrauch aus Textil- und Maschinenbauindustrie, die in früheren Jahren sehr viel Wasser aus eigenen Brunnen gefördert hätten, sei stark zurückgegangen. Also sei für Augsburg Entwarnung angesagt. Verwiesen wird auch auf die „Wasserversorgungsbilanz Schwaben 2025“ der Bezirksregierung. Die bescheinigt, dass „derzeit keine Konflikte bei der Ressourcennutzung zu Bewässerungszwecken mit der öffentlichen Wasserversorgung bekannt“ seien. Allerdings bestünden schon heute konkurrierende Nutzungen von Industrie- und Gewerbebetrieben. Für 2026 kündigt die Bezirksregierung nun eine weitere Wasserversorgungsbilanz an, die Prognosen bis 2050 enthalten soll.
Also alles in Ordnung?
Das werden wir erst mit der angekündigten Wasserversorgungsbilanz bis 2050 erkennen können. Ich hoffe, dann die Zahlen zu erhalten, die man mir auf meine Nachfrage hin bisher noch nicht gegeben hat. Dann lässt sich erkennen, ob wir unsere Grundwasserquellen über das Maß der Regenerationsfähigkeit hinaus ausbeuten. In jedem Fall müssen wir höllisch aufpassen: Die Staatsregierung plant eine Wasser-Ringpipeline, in welche die Regionen mit hohem Wasservorrat einspeisen sollen, um die Regionen mit niedrigem Wasservorrat zu unterstützen. Das klingt erst mal nach einer solidarischen Aktion unter Nachbarn, aber erfahrungsgemäß stecken bei der Staatsregierung immer irgendwelche kommerziellen Interessen von Gewerbe und Industrie dahinter.
Welchen Stellenwert hat das Thema „Wasser“ derzeit in Augsburg?
Wasser ist in Augsburg seit jeher ein zentrales Thema: Die Römer gründeten die Stadt am Zusammenfluss von Wertach und Lech. Früh wurde das Wasser durch Kanäle in die Stadt geführt. Früh gab es eine Wasserversorgung. Und durch die Nutzung der Wasserkraft eine wirtschaftliche Blüte. Das Augsburger Wassermanagement wurde 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das Trinkwasser zählt aktuell zu den qualitativ hochwertigsten in Deutschland. Dies zu sichern, muss Ziel der kommunalen Daseinsvorsorge sein. Da die Augsburger schon mal durch ein Bürgerbegehren den Ausverkauf der Grundwassererfassungsflächen verhinderten, sind sie hierfür bereits sensibilisiert.
Wohin sollte deshalb das Interesse der Kommunen zielen?
Die Augsburger Stadtwerke arbeiten im Trinkwasserbereich seit Kurzen auch mit einem Versorgungsunternehmen der südwestlichen Nachbarregion zusammen. Für die Stadtwerke ist Wasser inzwischen ein Erfolgsgeschäft, während die Energie- und Verkehrssparte eher Sorgenkinder sind. Insofern müssen wir aufpassen, dass unser Trinkwasser nicht für andere Zwecke als zur Versorgung der Bevölkerung verkauft wird. Und wir müssen verhindern, dass gewerbliche Nutzer den Trinkwasservorrat durch Entnahme von Grundwasser über eigene Brunnen zu sehr verringern. Dazu braucht es eine Gesetzesinitiative im Deutschen Städtetag, die eine Grundwasserentnahme aus eigenen Brunnen zukünftig nur noch gegen einen überprüfbaren Mengennachweis erlaubt. Die Nachhaltigkeit der Wasserentnahme muss sichergestellt sein! Die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung steht über Kommerzinteressen!
Herr Pettinger, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

