Populismus im Dienst des evolutionären Defizits
23. Januar 2026
Neurowissenschaftler erklären uns oft, dass wir nicht befähigt wurden, unsere Lebensmöglichkeiten langfristig vorausschauend zu schützen. Dumm gelaufen, unsere Evolution als homo sapiens! Wir sind z. B. als Gattung ebenso wie als Individuen in den „Status quo“ verliebt, wollen möglichst gar nichts ändern und haben keine Lust, uns über die Zukunft und über die Verhältnisse jenseits unseres Gartenzauns viele Gedanken zu machen. Und damit das Problem auch einen ordentlichen Namen bekommt, sprechen die Fachleute von einem „Present Bias“ und einem „Status-quo-Bias“. („Bias“ bedeutet „Voreingenommenheit“, die falsche Wahrnehmung fördert.)
Damit ist der Mensch gut gefahren, so lange seine Eingriffsmittel in den Gang der natürlichen Dinge begrenzt waren. Leider hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, fossile Treibstoffe und Pestizide einzusetzen, deren Gebrauch auf Dauer das Gesamte schädigt. Da diese Mittel das Leben im Heute erleichtern, der Verzicht aber „nur“ den Nachkommen nützen würde, fällt der Abschied schwer.
Populisten wissen das. Sie bekräftigen die beiden oben angeführten Systemfehler, indem sie versprechen, das Gewohnte von heute zum Ziel für immer zu machen. Bereits eingetretene Veränderungen wollen sie rückgängig machen. Probleme, die sich aus dem Status-quo ergeben, werden frech geleugnet. Wer Beweise vorlegt, wird als Lügner verleumdet. Dies trifft vor allem Wissenschaftler, seriöse Medien und Menschen, die davon überzeugt sind, dass Änderungen für das Gemeinwohl nötig sind.
Mit Hass belegt werden alle, die bewährte Mittel zur Überwindung der beiden evolutionären Schwächen empfehlen: Ethik, Moral, Anstand, Vorschrift, Gebot, Gesetz, Pflicht, Verantwortung für nachfolgende Generationen – alles kluge Erfindungen der menschlichen Gemeinschaft, um den ebenso bedauerlichen wie gefährlichen „Present Bias“ und den „Status-quo-Bias“ zu entschärfen.

