Vergessene Geldquelle?
9. Januar 2026
Die Forderung nach einem stärkeren Gemeinwohl-Beitrag der materiell besonders gut ausgestatteten Personen trifft regelmäßig auf die gleichen Gegenargumente: Höhere Steuern auf hohe Einkommen, große Erbschaften oder auf ein umfangreiches Vermögen? Geht nicht, sonst reißen die Leute aus und investieren alles im Ausland! Auch erlahme bei hohen Steuern die Lust an der Investition und es verdunste die Motivation, Neues zu wagen. Außerdem – so heißt es dann regelmäßig – sei das alles eine unschöne Neiddebatte. Und auch die Kosten für eine neue Vermögenssteuer-Bürokratie würden letztlich höher sein als die zu erwartenden Einnahmen. Also: Hände weg von höheren Steuern und Abgaben für die oberste Einkommensschicht!
Weil ich mir die sicher nötige Reform von Sozialstaat und Gesundheitswesen ohne eine deutliche Steigerung der öffentlichen Einnahmen nicht recht vorstellen kann, schlage ich etwas anderes als die derzeit nicht durchsetzbaren oben genannten Steuererhöhungen vor: Nach Expertenangaben ist Deutschland viel zu lasch bei der Verfolgung von Geldwäsche. Auch die professionell organisierte Schwarzarbeit samt Sozialversicherungsbetrug wird nur sporadisch aufgedeckt. Und auch bei der Ermittlung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug gäbe es noch viel zu tun. Leider sind die Finanzämter mancher Bundesländer zu schwach besetzt …
Während man uns tagtäglich Vorschläge zur Streichung von Sozialleistungen macht, liest man nie, dass jetzt Sofortprogramme gegen Geldwäsche, Schwarzarbeit und Steuerbetrug beschlossen wurden. Warum diese Zurückhaltung? Fachleute sprechen immerhin von einer Geldquelle, aus der jährlich mindestens 100 Mrd. Euro sprudeln könnten. Hat man Angst davor, dass sich die Mafia, die Menschenhändler, die Ausbeuter eingeschleuster Arbeitssklaven oder die Cum-cum- und Cum-ex-Gangster ins Ausland absetzen und uns dann deren allseits bekannte Kreativität hier am Standort Deutschland fehlen wird?

