Das Wasser braucht unsere Aufmerksamkeit!
19. März 2026
Ich bin nahe am Wasser geboren und aufgewachsen; wir haben direkt am Main gewohnt und wenn Hochwasser war, dann waren wir eine Insel. Wasser war für mich das Selbstverständlichste auf der Welt und ohne Wasser konnte und kann ich mir die Welt nicht vorstellen. Und ebenso selbstverständlich war, dass ich Schwimmer geworden bin, und Kanute, und Segler und Taucher; und Wasser in jeder Form, also auch Eis und Schnee, als Eisläufer und Skifahrer – es war und ist mein Element. Und plötzlich ist es nicht mehr selbstverständlich! Dabei: Selbstverständlich war es doch bisher auch allgemein für uns Deutsche. Wasser war da, immer genug; eine Wasserknappheit konnten wir uns doch gar nicht vorstellen. Und jetzt ist es plötzlich doch eingetreten. In Brandenburg Wasserknappheit, Trinkwasser rationiert, die Gletscher schmelzen dahin und können nicht mehr genug Wasser speichern und hervorbringen, sodass eine kontinuierliche Versorgung der Flüsse garantiert wäre. Überall ist der Grundwasserspiegel teils dramatisch um mehrere Meter gesunken, an mehreren Stellen ist plötzlich der Boden instabil geworden. In den Alpen bringt der zurückgehende Permafrost ganze Bergflanken zum Abrutschen, verschüttet Dörfer. Es passieren Dinge, die wir uns überhaupt nicht vorstellen konnten: Der Boden, unsere Landschaft, wird instabil durch Wassermangel und zu wenig Eis. Doch damit nicht genug: Mit Pestiziden, zu viel Dünger, Nitrat und Mikroplastik verunreinigtes Wasser gefährdet Mensch und Natur. Und auch bei dem Wasser, das wir haben, wird richtig sauberes Wasser immer problematischer. Was haben wir getan – was haben wir da angerichtet mit unserer allzu sorglosen Lebensweise?
Ich könnte jetzt weiter lamentieren und die Probleme, die wir mit dem Wasser haben, aber eben auch selbst angerichtet haben, immer weiter ausbreiten. Viel spannender aber wird die Frage: Wie könnten wir’s wieder richten? – Jetzt in tiefere Schichten einzudringen und bis zu 10.000 Jahre altes Tiefengrundwasser abzupumpen oder große Verbundleitungen zu legen, um dort alles rauszuholen, wo noch mehr davon da ist, löst das Problem nicht; im besten Fall verlagert es das Problem und wir bleiben im alten Denken der Ausbeutung unserer Ressourcen verhaftet. Nein! Wir müssen unser Denken verändern: Mit dem gleichen Schema, mit dem wir das Problem geschaffen haben, werden wir es nicht lösen können. Ein erster Schritt: Wir müssen erkennen, dass wir mit dem auszukommen haben, was uns tatsächlich zur Verfügung steht; uns wieder einfügen in die natürlichen und globalen Zusammenhänge.

Und dann dürfen und müssen wir endlos kreativ werden, das vorhandene Wasser zu halten, wieder zu verbessern, mehrfach zu nutzen und den Wert des Wassers wieder zu ermessen: Wasser ist Leben – ohne Wasser ist der Tod. Wir hatten das Thema Wasser als Halbjahresthema ausgerufen, weil wir etwas anschieben wollten. Aber die Bedeutung von Wasser ist so groß, dass es uns für immer begleiten muss – als Thema und in unserer Wahrnehmung und besonderen Beachtung, die wir ihm schenken müssen.
Ihr/Euer ÖDP-Bundesvorsitzender
Günther Brendle-Behnisch

