Ein Hoch auf die Öko-Demokratie – erhalten wir, was uns erhält und ein Leben in Würde ermöglicht! Foto: Helmut Kauer

BundesverbandÖDP

Aufbruch zum Schutz der Lebensgrundlagen

Der Bundesparteitag der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP – Die Naturschutzpartei) markierte einen Aufbruch zum Schutz unserer Lebensgrundlagen.

Auf dem Parteitag gab es neben der Sach- und Antragsarbeit interessante Informationen über die Natur- und Wasserpolitik. Auch die informellen Kontakte kamen nicht zu kurz. Ein musikalischer Abend von C. C. Adams mit Oldies, Pop, Country und Contemporary Music gab Gelegenheit zu informellen Gesprächen und Tanz.

 

Umoja

„‚Umoja‘ – gemeinsam“ – unter diesem Begriff aus der afrikanischen Sprache Kisuaheli rief der Bundesvorsitzende der ÖDP, Günther Brendle-Behnisch, die Delegierten und die gesamte Partei zum gemeinsamen Handeln für die gemeinsamen Ziele zum Schutz unserer Lebensgrundlagen auf.

Er berichtete von den vielfältigen Aktivitäten des ÖDP-Bundesvorstands, wies auf laufende Aktionen hin und kündigte weitere an: die Petition für mehr Tierschutz unter dem Titel „Videoüberwachung in Schlachthöfen“ (endet am 17.01.2026), eine bundesweite Petition gegen die Schleifung der Klima- und Naturschutzpolitik in Deutschland unter dem Titel „Keine Rolle rückwärts im Klimaschutz!“ (www.keine-rolle-rueckwaerts.de – endet am 21.04.2026) und eine bundesweite Aktion für den Schutz unserer lebenswichtigen Ressource Wasser. Auch orientierte er auf die bevorstehenden Wahlkämpfe in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Alles fließt

„Alles fließt – und es liegt an uns, in welche Richtung“, so die Europaabgeordnete Manuela Ripa in ihrem Bericht zur Europapolitik. Wasser steht wie kein anderes Element so sehr für das, was uns als ÖDP antreibt: Nachhaltigkeit als Kreislaufdenken statt linearem Verbrauch. Wasser steht für Leben, Verantwortung und Frieden – Wasserpolitik ist Friedens-, Klima- und Resilienzpolitik. Die ÖDP versteht sich als Partei, die Bewusstsein statt Wachstum fördert und Kreisläufe in Natur und Gesellschaft schützen will.
Ein weiterer Schwerpunkt der Europaabgeordneten ist der Artenschutz: Manuela Ripa leitet zusammen mit ihren sozialdemokratischen Kollegen die Delegation des Europäischen Parlaments zur Welt-Artenschutzkonferenz (CITES COP20). Sie fordert ein stärkeres europäisches Engagement: strengere Regeln für den Wildtierhandel, digitale Kontrollsysteme, eine Positivliste für die Wildtierhaltung und ein Gesetz, das den Import illegal gefangener Tiere verbietet.
Ripa kritisiert die Rückschritte der EU beim Klima-, Demokratie- und Naturschutz sowie die mangelnde Führungsstärke der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „Europa braucht wieder Visionen, nicht die Verwaltung des Status quo“, so die Europaabgeordnete.

Im Sinne eines ökologischen Humanismus müssten Klimaschutz, Wirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam gedacht werden. Demokratie müsse mehr denn je geschützt werden – gegen Hass, Lügen und Machtmissbrauch durch Konzerne.
Unsere Erde ist wie ein gemeinsames „Raumschiff“: Frieden, Verantwortung und Bewahrung sind die Grundlagen einer ökologischen Zukunft. Die ÖDP will eine Politik schaffen, die verbindet – zwischen Mensch und Natur, Generationen und Kontinenten.

 

Interessante Vorträge

Die Delegierten wurden mit zwei hochinteressanten Vorträgen auf das Schwerpunktthema „Wasser“ eingestimmt:

Professor Ernst Zürcher entführte die Delegierten und Parteitagsgäste in die spannende Welt des Waldes. Foto: Dr. Corinne Enders
Professor Ernst Zürcher entführte die Delegierten und Parteitagsgäste in die spannende Welt des Waldes.

Ernst Zürcher, em. Professor für Holzwirtschaft aus Bern, konnte in einem Vortrag im „Hildegarten“ am Rhein in einer Baumgruppe die Zuhörenden eine Stunde lang in den Bann ziehen.

Er vermittelte Erkenntnisse über Blätter, Kreisläufe und Verbindungen in der Natur. Alter Baumbestand sei für das ökologische System nicht ohne Weiteres ersetzbar. Ein junger Baum ersetze keinen alten. Es komme auf die Anzahl der Blätter an, die ein Baum trägt. Für einen gefällten alten Baum müssten daher im Grunde viele junge Bäume gepflanzt werden, um auf die gleiche Blätterzahl zu kommen.

Die dargestellten Zusammenhänge waren vielen bisher nicht geläufig. So auch die Tatsache, dass durch die Fotosynthese reines neues Wasser entsteht. Prof. Dr. Zürcher konnte mit vielen weiteren Beispielen klarmachen, wie wir ein Teil inmitten der Natur sind. Der Vortrag stiftete Hoffnung und verdeutlichte den Anwesenden, wie wichtig die Arbeit der ÖDP ist.

Uwe Ritzer, Wirtschafts- und Investigativjournalist für die „Süddeutsche Zeitung“, beleuchtete in seinem Abendvortrag den Ausverkauf von Wasser, Boden und Rohstoffen und zeigte auf, wer mit dem „Ausverkauf“ unserer lebenswichtigen Ressourcen und Allgemeingüter Profit macht.

Journalist Uwe Ritzer lenkte die Aufmerksamkeit am Freitagabend auf den menschlichen Umgang mit lebenswichtigen Ressourcen. Foto: Helmut Kauer
Journalist Uwe Ritzer lenkte die Aufmerksamkeit am Freitagabend auf den menschlichen Umgang mit lebenswichtigen Ressourcen.

„Es geht um Geschäftemacher und multinationale Konzerne, die Wasser, Boden sowie unverzichtbare Rohstoffe im großen Stil ausbeuten. Ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl und ausschließlich für ihre eigenen Zwecke“, zitierte Ritzer aus seinem Buch „Der Ausverkauf“. „Wir alle sind als einzelne Bürgerinnen und Bürger davon betroffen, genauso wie kleine und große Firmen, die redlich wirtschaften.“

Ritzer stellte die Frage: „Wem gehört eigentlich Wasser? Wer entscheidet, wer es verbrauchen darf? Wer bestimmt den Preis?“ Wasser werde laut Ritzer das nächste große Ressourcenproblem nach Gas und Strom sein. Auch Deutschland steuere auf ein dramatisches Wasserproblem zu. Seit 2000 habe unser Land Wasser im Volumen des Bodensees verloren. Drei Viertel des Wasserverbrauchs entstünden durch die Wirtschaft. Ritzer forderte daher, eine Balance im Wasserverbrauch herzustellen.

 

Wasseraktion am Rhein

Mit einer symbolischen Wasseraktion am Rhein machten die Delegierten auf Probleme im Zusammenhang mit unserem Wasser aufmerksam. Sie schütteten mitgebrachtes Wasser in den Strom und verdeutlichten damit symbolisch die Wasserverluste für die Ökosysteme, die Landwirtschaft, die Schifffahrt und die allgemeine Versorgung, die immer kritischer werden.

Parteitagsthemen

Der Parteitag beschäftigte sich mit einem breiten Spektrum an Themen und fasste eine Reihe von Beschlüssen. Er stärkte die innerparteiliche Basisdemokratie durch Verbesserung der Möglichkeiten von Mitgliederbefragungen wie auch von Mitgliederanträgen und beschloss die Einrichtung einer Ombudsstelle. Breiter Raum wurde der Existenzsicherung der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft, dem Tier- und Naturschutz, der Vollendung der Deutschen Einheit und der Familienpolitik eingeräumt.

 

Ökologischer Rat und weitere Neuerungen

Der Ökologische Rat zur wissenschaftlichen Beratung der Partei wurde neu besetzt. Der Bundesvorstand wurde durch die Nachwahl von Verena Föttinger (Kreis Rottweil, Baden-Württemberg) als Beisitzerin komplettiert. Föttinger bringt langjährige Erfahrung aus verschiedenen Funktionen innerhalb der ÖDP mit. Die Nachwahl wurde erforderlich, weil ein Beisitzer zurückgetreten war.

Die anwesenden Mitglieder des ÖDP-Bundesvorstands (von links): Dr. Corinne Enders, Helmut Kauer, Prof. Dr. Herbert Einsiedler, Kirsten Elisabeth Jäkel, Siegmund Schönberger, Verena Föttinger, Lukas Leinen, Dirk Uehlein, Manuela Ripa, Willi Reinbold, Beatrix Springer, Günther Brendle-Behnisch; es fehlt: Dominik Mozzicato; Foto: ÖDP
Die anwesenden Mitglieder des ÖDP-Bundesvorstands (von links): Dr. Corinne Enders, Helmut Kauer, Prof. Dr. Herbert Einsiedler, Kirsten Elisabeth Jäkel, Siegmund Schönberger, Verena Föttinger, Lukas Leinen, Dirk Uehlein, Manuela Ripa, Willi Reinbold, Beatrix Springer, Günther Brendle-Behnisch; es fehlt: Dominik Mozzicato

Ferner wurden auf dem Bundesparteitag das Bundesschiedsgericht und die Bundesrechnungsprüferinnen und -prüfer neu gewählt.
Der bisherige Bundesarbeitskreis „Demokratie, Außen- und Europapolitik“ wurde aufgelöst und stattdessen zwei neue Arbeitskreise eingesetzt: „Außenpolitik“ sowie „Demokratie“.

 

Signal des Aufbruchs

Von Bingen ging ein Signal des Aufbruchs zum Kampf für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen an die gesamte ÖDP aus. Die Delegierten reisten hochmotiviert zurück in ihre Kreis- und Landesverbände, um die verabredeten Aktionen umzusetzen und damit auch die Programminhalte und politischen Initiativen der ÖDP weiterzutragen.

 

Beatrix Springer und Prof. Dr. Herbert Einsiedler
Mitglieder des Bundesvorstands

 


Dieser Beitrag erschien in der Dezember-Ausgabe 2025 der ÖkologiePolitik.


 

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