„Jeder sollte mit jedem reden – das ist Demokratie“
18. Dezember 2025
Oberbayern ist ein bayerischer Bezirk mit 4,76 Mio. Einwohnern. Für bestimmte Aufgaben ist der direkt gewählte Bezirkstag zuständig. Die ÖDP ist in diesem 82-köpfigen Parlament mit 2 Mandaten vertreten.
Interview mit Andreas Huber
ÖkologiePolitik: Herr Huber, Sie haben neben Ihrem Mandat im Traunsteiner Kreistag auch ein Mandat im Bezirkstag von Oberbayern. Was ist der Bezirkstag?
Andreas Huber: Es ist eine politische Ebene zwischen der kommunalen Ebene Landkreis und der Landesebene. Die Wahl findet zusammen mit den Landtagswahlen statt. Wohl deshalb gehen die Wahl und auch der Bezirkstag selbst in der öffentlichen Aufmerksamkeit immer ein wenig unter. Und die Themen, die er behandelt, ziehen auch nicht die große Aufmerksamkeit auf sich: Krankenhäuser für Psychiatrie, Menschen mit Behinderung, Kultur, Naturschutzgebiete, Fachberatungen für Fischer und Imker.
Wie setzt sich der aktuelle Bezirkstag zusammen?
Dominiert wird er von CSU und Freien Wählern, aber es gibt hier keine Regierung und Opposition, sondern theoretisch wechselnde Mehrheiten. Von daher sollte jeder mit jedem reden – und genau das finde ich am Bezirkstag faszinierend und vorbildlich. Das ist wirkliche Demokratie! Wir sind 2 ÖDPler, die zusammen mit jeweils 1 Mandatsträger von der Bayernpartei und „dieBasis“ eine kleinere Ausschussgemeinschaft bilden. Und diese bildet zusammen mit 3 FDPlern eine größere Ausschussgemeinschaft. Deren Sinn ist es, in Ausschüssen und Gremien vertreten zu sein. Auf diese Weise sind wir bei den Diskussionen dabei, die dann später in Beschlüssen münden.
Wie hat es die ÖDP Oberbayern geschafft, 2 Leute in den Bezirkstag zu bringen?
Im Gegensatz zur Landtagswahl gibt es bei den Wahlen zum Bezirkstag keine 5-%-Hürde. Das Argument, die Stimme für die ÖDP ginge verloren, zieht hier also nicht. Und wir haben in Oberbayern ja sehr viele kommunale Mandatsträger, d. h. die ÖDP ist als Partei durchaus bekannt.
Gibt es für den Bezirkstag auch so etwas wie einen Wahlkampf?
Wahlkampf gibt es eher auf kommunaler Ebene. Auf der tue ich mich auch leichter, weil ich durch meinen Marktstand und Zeitungsberichte einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt habe, der mir zugutekommt. Aber diese „Erststimmen“ reichen natürlich nicht, um ein Mandat zu erreichen. Erst die Zweitstimme auf der oberbayerischen Liste gibt den Ausschlag. Nach meiner Erfahrung interessiert die Wähler vor allem, wem sie noch trauen können, und erst dann, welche Ideen der Kandidat mitbringt. Dieses Vertrauen habe ich offensichtlich bekommen mit einer deutlich gestiegenen Stimmenzahl.
Was hat Sie bewogen, für den Bezirkstag zu kandidieren?
Nun ja, ursprünglich wollte ich die ÖDP einfach unterstützen. Über meinen Listenplatz bin ich dann eines Tages als Nachrücker im Bezirksrat gelandet. Und habe Geschmack an der dortigen Arbeit gefunden, sodass ich für die darauffolgenden Bezirkstage wieder kandidierte und direkt einzog.
Woran haben Sie Geschmack gefunden?
Die schon erwähnte Atmosphäre gefällt mir sehr gut. Als Praktiker vom Land bringe ich Erfahrungen mit ein, welche gerne von einem eher städtischen Gremium aufgenommen werden. Ich rede mit jedem. Von mir wird niemand ausgegrenzt. Es wird wenig polarisiert, es gibt offiziell keinen Fraktionszwang. Und keine medialen Inszenierungen. In der Ausschussgemeinschaft sind wir ja auch nicht von der gleichen Partei und somit sind unsere Anträge, durch interne Diskussionen, schon etwas „abgehärtet“.
Welche Themen waren Ihnen wichtig? Und welche Erfolge hatten Sie?
Der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft ist mir natürlich wichtig. Die psychiatrischen Kliniken haben z. B. landwirtschaftliche Flächen. Da gelang es durch entsprechende Initiativen, einen Anteil der ökologischen Landwirtschaft von 15 % zu erreichen. Es sind aber vor allem viele kleine Dinge, die über den Bezirkstag auf den Weg gebracht werden: z. B. der „Krisendienst Psychiatrie“ – ein Notrufsystem, mit dem die sonst üblichen Polizeieinsätze vermindert werden, wenn jemand „durchdreht“. Aber besonders die Prävention ist mir sehr wichtig. Politik im Bezirkstag bedeutet Kleinarbeit für das Gemeinwohl – und macht deshalb Spaß.
Herr Huber, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

